Mein Leben im Dreiland

Guter EM-Start für das Dreiland

Es ist EM und unser Kolumnist fiebert nicht nur mit der Schweiz sondern auch mit Deutschland und Frankreich mit. Die Frage ist nur, wo soll er sich die Spiele anschauen?

Meine Sympathien bei dieser Fussball-EM gehören drei Mannschaften: der Schweiz, weil ich in Basel wohne, und weil es in der Nati von ehemaligen und jetzigen FCB-Spielern nur so wimmelt. Frankreich, weil ich dort lange gelebt habe und finde, dass ein Turnier, bei dem die Heimmannschaft zu früh ausscheidet, der Stimmung schadet. Deutschland, weil ich Deutscher bin und schon als Bub für die «Mannschaft» gezittert habe.

Am Sonntagabend, in der ersten Halbzeit gegen die Ukraine, habe ich besonders gelitten. Aber auch die ersten EM-Spiele von Frankreich und der Schweiz haben mich mitgenommen. Das Ergebnis kann sich dennoch sehen lassen: Jeder Teil des Dreilands hat sein erstes Spiel gewonnen. Super! Ich bin zufrieden.

Während ich bei der WM vor zwei Jahren viele Spiele im «Gare du Nord» beim Badischen Bahnhof gesehen habe, bin ich diesmal in die Fussball-Baiz «Didi Offensiv» am Erasmusplatz umgezogen. Das ist für mich näher und neu.

Vor dem Ukraine-Spiel der Deutschen habe ich mich gefragt, ob ich das Spiel in der Schweiz schauen kann. In der Vergangenheit war ich des Öfteren mit einer soliden antideutschen Stimmung konfrontiert. Aber seit einigen Jahren hat sich das entspannt, selbst wenn sich laut einer Umfrage der bz noch immer 32 Prozent der Befragten wünschen, dass die Deutschen die Vorrunde nicht überstehen.

Benedikt Pfister, einer der drei Leiter der Fussball-Baiz, hat mich beruhigt: «Die Jungen sind wieder offener für Deutschland, weil sie guten Fussball spielen.» Ausserdem kämen viele Deutsche in die Baiz. Er hat Recht behalten. Die meisten Zuschauer haben mit mir für Deutschland gefiebert. Am emotionalsten aber ging es natürlich beim Spiel Schweiz gegen Albanien zu.

Wäre es nicht spannender, die Spiele der Deutschen in Lörrach zu schauen? Im Freizeitcenter Impuls können 3000 Fans alle Deutschland-Spiele sehen. In «Gare du Nord» und «Didi Offensiv» werden alle EM-Spiele übertragen – das gefällt mir. Im Elsass bietet mit 17 Spielen nur Guebwiller einen ähnlichen Service; allerdings leiden die Veranstalter in Frankreich unter drastischen Sicherheitsbestimmungen. Huningue zeigt am Sonntag Frankreich – Schweiz. Ich schaue das in Basel, schon aus Sorge, dass die Schweiz wie bei der WM 2014 von den Franzosen auseinandergenommen wird. Im Zweifelsfall bin ich für die Nati und leide lieber «zu Hause» mit. Bei einem Schweiz – Deutschland allerdings gehe ich nach Lörrach, das ist klar.

Ich habe nie verstanden, weshalb die Tradition des Public Viewing im Elsass weniger verbreitet ist als in Baden oder Basel. Vielleicht liegt das am französischen Individualismus oder daran, dass die Zeiten, als Racing Strasbourg mit Raymond Domenech, Frank Leboeuf oder Marc Keller Spieler im Nationalteam stellte, lange vorbei sind? 2011 ist Racing nach dem Konkurs in die Niederungen des Amateurfussballs verbannt worden. Aber es gibt Hoffnung: Ende Mai stieg der Klub in die zweite Profiliga auf. Allerdings gibt es auch in der deutschen Mannschaft ausser Trainer Joachim Löw, der aus Schönau im Südschwarzwald kommt, keine Spieler aus Südbaden. Als ich 1998 in Hegenheim wohnte, habe ich nicht einmal eine Baiz mit Fernseher gefunden. Ich bin ins «Zic Zac» nach Allschwil gegangen, um das Finale Frankreich–Brasilien zu sehen.

Autor

Peter Schenk

Peter Schenk

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