Den Ausdruck kennen die Planer in der Agglomeration zu Genüge: «Not in my backyard.» Er bringt auf den Punkt, was meist passiert, wenn in der Agglomeration ein grösseres Bauprojekt ansteht. Dann tauchen nämlich sofort Stimmen auf, die sagen: «Wir sind nicht grundsätzlich gegen Verdichtung, aber was Ihr da plant, passt nicht in unsere Gemeinde.» Mit diesem Argument hat das Stimmvolk in Reinach bereits einige Quartierpläne bachab geschickt. Da nützte auch das Beharren des Gemeinderat nichts, im Zonenplan sei Verdichtung der bestehenden Quartiere vorgeschrieben und die Auswirkungen der Neuüberbauungen seien für die Bevölkerung gar nicht so schlimm.

Ähnlich erging es Eisweiher Plus in Oberwil. Die Befürworter beteuerten, das neue, zentrale Quartier sei bestens in die übrigen Gemeinde eingebettet. Doch an der Urne zeigte sich: Die Message kam nicht an, das Projekt wurde haushoch abgelehnt. In Birsfelden ist über die Zentrumsplanung noch gar nicht abgestimmt worden. Der jahrelange Prozess musste mehrfach gestoppt und neu lanciert werden. Denn vor lauter Bemühung, möglichst alle Akteure einzubinden und das Projekt in die anliegenden Quartiere einzubinden, hatten sich die Planer verrannt. Es dürfte noch lange dauern, bis ein Projekt vorliegt, das dann – vielleicht – beim Volk Anklang findet.

640 Wohnungen

Das Drehbuch läuft also in den Vororten meist nach ähnlichem Muster. Die Gemeinderäte lassen für viel Geld Projekte ausarbeiten, die optimal ins Quartier eingebunden sein sollen. Sie suchen den Dialog mit der Bevölkerung, bestellen Studien, organisieren Workshops, öffentliche Diskussionen und Umfragen, um möglichst alle Bedürfnisse zu berücksichtigen. Krampfhaft stellen die Gemeinderäte ihre Projekte so dar, dass der Bürger den Eindruck hat, letztlich verändere sich die Gemeinde gar nicht so sehr. Doch das findet bei der Bevölkerung wenig Gehör. Offensichtlich nimmt man dem Gemeinderat die Propaganda nicht ab.

Jetzt steht mit der Hagnau in Muttenz eines der grössten Entwicklungsprojekte an, das die Region in den letzten Jahrzehnten gesehen hat. In fünf Hochhäusern sollen 640 Wohnungen, ein Stadtplatz und ein Multiplex-Kino entstehen. Die Investoren dürfen richtig klotzen. Auch hier hat der Gemeindrat früh das Stimmvolk ins Boot geholt – aber es gibt einen Unterschied zu anderen Verdichtungsprojekten: Der Gemeinderat versucht gar nicht erst, das neue Quartier als Teil der übrigen Gemeinde erscheinen zu lassen. Eingebettet wird die Überbauung nur verkehrstechnisch, ansonsten soll sie für sich da stehen, als eigenständiger Stadtteil. Was in den Quartierplänen, die derzeit zur Stellungnahme aufliegen, auffällt: Die Planer stellen die Hagnau nicht als Teil von Muttenz dar, sondern als etwas Neues, das fast überall stehen könnte. Hinziehen sollen nicht Menschen, die gezielt in Muttenz wohnen wollen und die Gemeinde beleben, sondern solche, die gute Steuern zahlen.

In der Hagnau gaukeln die Planer niemandem vor, die Agglomeration könne harmonisch wachsen. Das ist eine ehrliche Strategie, und sie könnte bei den Stimmbürgern besser ankommen als das bisherige Vorgehen der Gemeinderäte, Verdichtung möglichst harmonisch zu gestalten. Lassen sich die Stimmbürger von der Hagnau begeistern, dürfte dies in der Raumplanung der Agglomeration einen Paradigmenwechsel darstellen.