Es war eine Bitte, mit der mir Markus Muffler, der Leiter des Stimmen-Festivals, am vergangenen Samstag aus dem Herzen sprach: Der Konzertveranstalter bat das Publikum auf dem Lörracher Marktplatz, die Bühne nicht übers Handy-Display zu betrachten. Tatsächlich leben wir in einem Widerspruch, was Tanz- und Fortschritt angeht: Wir überspringen das Sommerloch, indem wir Open-Air-Konzerte besuchen.

Doch leider – und ich nehme mich selber nicht aus – ist es uns auch ein grosses Anliegen, dieses Live-Erlebnis festzuhalten und mit anderen zu teilen. Das führt zur paradoxen Situation, dass Künstler auf der Bühne Nähe schaffen möchten, derweil die Fans mit ihren Handys eine flimmernde Mauer hochziehen. So habe ich das beim Konzert von Grace Jones erlebt. Sie lieferte auf der Bühne eine extravagante Show.

Auch der Mann, der eine Reihe vor mir stand, war mit einer Performance beschäftigt. Im Zentrum: sein Smartphone. Die rechte Hand reckte er in Hitlergruss-Manier in die Höhe, richtete so seine Handykamera auf die Bühne. Dass er damit mein Blickfeld beleidigte, meine Sicht einschränkte, war das eine – dass ihm auch jegliches Talent fürs Visuelle abging, wie ich mitschneiden musste, war das andere Ärgernis. Unscharf seine Aufnahmen, unruhig seine Hand, unklar, was er mit diesen Aufnahmen eigentlich machen wollte. Seine Freunde auf Facebook zuspammen?

Bitte nicht, es wäre eine Verschwendung an Megabytes. Ich habe mich dann von ihm wegbewegt. Ein schlauer Entscheid. Grace Jones war live bedeutend schärfer als auf seinem Display. Dumm für den Hobbykonzertfilmer, dass er das selber gar nicht mitbekommen hat.