Früher hielt ich jeweils die Luft an, wenn mir jemand auf der Strasse mit einer brennenden Zigarette entgegenkam. Heute halte ich die Nase zu, wenn ich beim Einkaufen an einer Fischtheke vorbeilaufe. Mir wird schlecht! Ich habe eine Allergie! Das behaupte ich zumindest, wenn ich irgendwo eingeladen bin. Damit es nicht peinlich wird, falls so ein glitschiges Ding auf meinem Teller landet. Klar, ich könnte auch sagen, ich sei ein Vegi. Aber dann verpasse ich beim nächsten Gang vielleicht ein schönes Filet.

Üble Gerüche vertrage ich auch im Drämmli nicht. Immer wieder kommt es vor, dass sich neben mir eine lebende Duftwolke platziert. In solchen Fällen lautet die Devise: Durch den Mund ein- und ausatmen und unauffällig das T-Shirt ein wenig hochziehen. Damit die Schweissmoleküle nicht den direkten Weg in mein Atmungssystem finden. Luft anhalten wird spätestens nach eineinhalb Minuten schwierig. Ich habe es ausprobiert.

Ich habe ein feines Näschen. Das musste ich diese Woche wieder feststellen. Am Mittwoch weckte mich um halb sechs Uhr morgens Rauchgestank. Er war nicht sehr belästigend, aber meine Nüster registrierten den Geruch deutlich. Als ich das Fenster öffne, bestätigte sich mein Verdacht: Die Feuerwehr stand mit drei Wagen in der Strasse.

Später erfuhr ich, dass im «Elle et Lui» ein Mistkübel brannte. Harmlos also, aber Erwachen am frühen Morgen wegen Gestank erinnert mich an früher. An den 1. November 1986. Ich weiss es noch genau: Es roch seltsam und die Sirenen heulten. Ich war vier Jahre alt und hatte Todesangst. Dass meine Mutter panisch wurde, machte es auch nicht besser. Mein Vater war an jenem Samstag bereits am Arbeiten. Er hatte nichts bemerkt. Üble Gerüche stören ihn nicht. Als Maler ist er sich so einiges gewohnt.

Bei Schweizerhalle kamen wir mit dem Schrecken davon. Ein kleines Trauma ist geblieben. Was bin ich erschrocken, als vor zwei Wochen um neun Uhr morgens plötzlich die Sirenen heulten! Probealarme finden doch immer am Nachmittag statt? Hilfe, es brennt wieder in der Chemie, dachte ich automatisch. Also Fenster zu, Radio an. Wie ich es gelernt hatte. Als die Entwarnung kam, installierte ich auf meinem Smartphone die App «Alertswiss». Damit ich in Zukunft sofort weiss, was läuft. Jetzt braucht es nur noch eine App, die vor üblen Gerüchen warnt.