Gibt es eigentlich irgendeinen Aspekt in Sachen Trainerentlassung beim FC Basel und Blutmond am Himmel, der noch nicht ausführlich behandelt wurde? Schön, dass hier ein lokales und ein internationales Jahrhundert-Ereignis friedlich nebeneinander die Schlagzeilen dominieren. Da verpasst man gerne auch mal die Daily Soap aus Washington.

Das einzige Steigerungspotenzial, das diese völlig surreale Realityshow noch übrig hat: Wenn die First Lady ihren First Husband vergiften würde. Das ist jetzt keine besonders freundliche Fantasie, aber die Hitzewelle hinterlässt auch bei mir Spuren. Nicht ganz klar ist mir, warum so viele Leute entsetzt sind beim Gedanken, dass sie am 1. August die Umwelt nicht mit Geballer und Feinstaub belasten dürfen – und so wenige auch nur im Geringsten beunruhigt sind wegen der rasanten Klimaveränderung. Inzwischen findet sich kaum ein Wissenschafter mehr, der daran zweifelt.

Der Verkehr staut sich unterdessen wie immer auf beiden Seiten des Gotthards auf vielen Kilometern. Da drängt sich die Frage auf: Warum eigentlich, wenn es im Norden wie im Süden unerträglich heiss ist und die Wälder brennen? Gibt es noch keine App, mit der ich ähnlich gesinnte Mitmenschen in Rimini oder Athen finden könnte? Wir würden verabreden, dass sie im Mittelmeer baden und ich im Rhein – und dann schicken wir uns die Fotos zu, die wir dann auf Social Media teilen als wären sie die unseren. Das merkt kein Mensch, alle werden meine Strandfotos liken und die Bilder vom Stadtrundgang in Basel werden der Börner bei den Südeuropäern.

Die brennenden Schwellen muss man ja nicht unbedingt versenden, die Quallenschwärme auch nicht. Es kommt nicht mehr darauf an, wo du den Sommer verbringst. Es ist restlos egal. Es ist deinen Freunden wurst. Jeder ist so sehr beschäftigt mit Posten, wer hat da noch Zeit die eh immer gleichen Bilder anderer anzusehen? Die meisten verschenken ihre Likes und Emojis nur denen, die ihre eigene Statistik hochtreiben. Und dafür lassen wir uns von Billig-Airlines wie Schlachtvieh in endlos langen Schlangen zum Gate treiben. Und die Temperatur steigt und steigt, es raubt der Erde den Atem und unser Hirn ist schon längst ausgestiegen. Das ist das Volk, das Diktatoren sich wünschen.

Übertrieben? Zu negativ? Ja, vielleicht haben Sie recht. Ich schaue meiner 9 Monate alten Enkeltochter zu, die in einem kleinen Bad mit etwa 5 Zentimeter Wasser sitzt und vor Vergnügen jauchzt. Und denke: Wenn es keinen einzigen anderen Grund mehr gäbe, sich für eine gesundere und gerechtere Welt einzusetzen, für sie würde ich es machen. Wir brauchen eine Grosseltern-Quote in Wirtschaft und Politik. Weil unser Horizont sich damit sofort um 20, 30 Jahre erweitert. Die Quartalszahlen-Abhängigen und die Wiederwahl-Süchtigen sollen nicht das letzte Wort haben. Das ist kein Plädoyer für eine Gerontokratie. Gleichzeitig könnten wir uns verpflichten, Frauen und Männer unter 30 zu wählen. Wenn Sie bessere Ideen haben: Ich bin interessiert. Es eilt.