Ich bin eitel. Vorauseilend gestehe ich es hiermit selber, dann braucht es mir niemand anderes vorzuwerfen. Denn zeitgleich mit den Botox-Kliniken, den Selfies und Ich-Berichten wie diesem grassiert die Mode des Eitelkeitsvorwurfs. Wir Eitlen werfen einander unsere Eitelkeit vor. 

Kulturpessimisten beklagen den Narzissmus der Generation Selfie. Über 17 Millionen Selbstporträts werden wöchentlich auf sozialen Netzwerken geteilt. Das ist kein Fegefeuer, das ist ein Supergau der Eitelkeiten. Trotzdem: Es ist das Medium, das sich verändert hat, nicht der Mensch. Schon die Bibel warnte vor der Todsünde Vanitas. Der Barockdichter Andreas Gryphius dichtete: «Du sihst / wohin du sihst nur Eitelkeit auff Erden.» Und er hatte noch nicht mal einen Selfiestick. Das Internet vermillionenfacht also lediglich eine uralte, urmenschliche Schwäche. 

Wobei: Wem schadet diese Gefallsucht eigentlich? Und ist Selbstbezogenheit nicht das Natürlichste? Als Menschen werden wir in eine verwirrende Welt geworfen, deren Sinn bis heute nicht geklärt ist. Jeder von uns ist nur ein Pünktchen in den Weiten des Universums, ein Zufallsprodukt inmitten von Jahrmillionen. Gleichzeitig sind wir zwangsläufig unser eigener Mittelpunkt; dazu verdammt, die Welt aus uns selbst heraus zu betrachten. Da ist es doch verständlich, wenn wir uns ein wenig wichtiger machen, unseren kurzen Moment festhalten wollen. Die ganze Selfiemanie ist nichts anderes, als der Wunsch nach Bestätigung unserer eigenen fragilen Existenz.

Nun poste ich diesen Artikel in der Hoffnung auf ganz viele Likes.