Nirgends in der Schweiz kommen so unterschiedliche Gütertransportmittel auf so engem Raum zusammen wie in Basel Nord: Die internationalen Eisen- und Autobahnen, der Wasserweg Rhein, der Euro-Airport und in naher Zukunft das gesamtschweizerische Logistiksystem Cargo sous terrain (CST) vereinigen sich hier. Die koordinierte Förderung der fünf Verkehrsträger in Basel Nord ist für unsere Stadt eine riesige Chance, die heute erst teilweise erkannt wird.

Bereits aufgegleist ist der Bau des sogenannten «Gateway Basel Nord»: Die erste Etappe umfasst den Bau eines Terminals für den Container-Umlad von Lastwagen auf Züge und umgekehrt. Daran bezahlt der Bund 83 Millionen Franken. Die Gesamtkosten sind mit 130 Millionen Franken veranschlagt. Die zweite Etappe ist das Hafenbecken 3. Dank ihm kann der «Gateway» den wechselseitigen Umschlag zwischen Schiffen, Lastwagen und Zügen anbieten. Für diese Investition in den Wasserweg stellt der Bund ebenfalls einen Beitrag in Aussicht.

Ab 2035 wird Basel Nord an das CST-Tunnelsystem angeschlossen, das exklusiv dem Güterverkehr dient. Damit erhält der Umschlagplatz eine unterirdische Verbindung zu den grossen Städten und Logistikzentren zwischen Genf und St. Gallen sowie zwischen Basel und Luzern. In den Städten dieses Einzugsgebiets bringen elektrische Fahrzeuge und Velokuriere Waren und Pakete vollautomatisch und umweltfreundlich direkt in die Läden der Detailhändler und vor die Haustüren der Endkunden. Obwohl CST Strassen und Schienen deutlich entlastet, muss der Staat dafür kein Geld in die Hand nehmen. Das System ist vollständig von seinen privaten Trägern finanziert.

Dieser CST-Anschluss bereichert den «Gateway» um drei weitere Funktionen: Erstens können Waren, die für die Stadt Basel bestimmt sind, direkt aus dem «Gateway» auf Paletten verladen und mit Elektrofahrzeugen ins Zentrum gefahren werden. Zweitens können Güter für andere Schweizer Städte in das CST-Tunnelsystem eingespeist werden. Drittens ermöglicht ein geplanter unterirdischer Anschluss an das nahe gelegene Cargo-Terminal des Euro-Airports die nahtlose Integration der Luftfracht. Selbstverständlich funktionieren alle diese Transportwege auch in umgekehrter Richtung.

Die Bündelung von Kräften – zu Luft, zu Wasser, auf Strasse, Schiene und unter dem Boden – katapultiert den Logistikstandort Basel in ein neues Zeitalter. Die Verlagerung des Containerumschlags zum Hafenbecken 3 ist zudem ein Glück für das Klybeck-Quartier. Bisher ist es eingeklemmt zwischen Industrienutzungen (heute vorwiegend Industriebrachen), Hafen und Hafenbahn. Neu könnte der Stadtteil schrittweise Richtung Rhein und Wiese wachsen und sich mit dem Matthäus-Quartier vernetzen. Dabei ergibt sich die Möglichkeit, dringend benötigte Freiräume und Infrastrukturen für die Bevölkerung des Quartiers zu schaffen, aber auch günstige und attraktive Wohnungen für neue Einwohner anzubieten.

*Der Autor ist in Liestal aufgewachsen und lebt in Basel. Er ist Journalist, Kulturmanager, Unternehmer und Berater.