So richtig einstellen wollten sie sich bisher ja nicht, die Frühlingsgefühle. Seit der unerwartet sonnige Februar kurzzeitig Lust auf Glace und einen Buvettenbesuch gemacht hat, meint es die liebe Witterung nicht gerade gut mit uns. «Da bekommt man ja Depressionen», motze ich schon morgens beim Aufstehen.

Wenn ich nicht in einer vom Regen verursachten Überschwemmung ertrinke, dann spätestens in meinem Selbstmitleid. «Ist aber gut für den Boden», sagt meine weise Mutter. «Der kann mich mal, der Boden», denke ich.

Gleichzeitig mit meiner guten Laune hat der Regen wohl auch meinen Goodwill für die Natur weggespült. Item: Endlich Sommer, bitte! Vor einem Jahr lief ich Mitte Mai schliesslich schon längst mit T-Shirt und kurzer Hose rum. Der Beweis: die Grillparty-Bilder auf meinem Smartphone.

«Eine Frechheit», findet auch meine beste Freundin. Deshalb gabs am Wochenende einen Mini-Brötel-Plausch auf dem überdachten Balkon. Nimm das, Petrus!

Nach ein paar Gläsern Weisswein erschien uns ein sentimentaler Foto-Rückblick auf unsere fast 20-jährige Freundschaft als eine gute Idee. Beim Durchscrollen des iPhone-Bilderalbums stolperten wir erneut über die sommerlichen Fotos vom vorigen Jahr.

Überraschenderweise erwies sich der Alkohol als perfekter Nährboden für unsere Wetter-Wut. «Wenn es wenigstens mal trocken wäre!» Wir einigten uns auf stahlblauen Himmel bei 25 Grad. Das wäre «voll gut». Ab 27 werde es schon wieder mühsam. Dann klebe man am Stuhl, und das sei ja auch grusig.

Manchmal kommt es mir so vor, als gäbe es nur noch Sommer und Winter. Früher sei das anders gewesen, findet auch die Freundin. «Mit diesen Extremtemperaturen werden wir uns wohl anfreunden müssen.»

Und ganz leise höre ich im Hinterkopf: «Dr Hans im Schnäggeloch ...»