Dass ich älter geworden bin, merkte ich im Autostau vor Avignon. Auf der Suche nach einem Radiosender landete ich auf Radio Nostalgie, wieder und wieder. «Take a Chance on Me». «Roxanne». «Let it Be». Oldies, so nennt die Station ihre Lieder. Diese Lieder sind uralt. Ich kannte sie alle. Aus meiner Jugend. Langsam dämmerte mir, was das bedeuten musste. Ich suchte einen anderen Sender – und landete doch wieder bei Nostalgie. Ich konnte mitsingen.

So richtig alt bin ich noch nicht. Aber auch nicht mehr so richtig jung. Ich stehe auf im Tram, wenn eine alte Frau einsteigt, mir selber wird kein Sitz angeboten. Es gibt Läden, in denen ich jetzt gesiezt werde, ausser dort, wo sie alle duzen. Ich erinnere mich an den Mauerfall, an Tschernobyl und Schweizerhalle, aber nicht an John Lennons Tod. Die Haare färbe ich mir nicht mehr nur so zum Spass.

Alle 50 Strassenmeter leuchtet auf dem Radio-Display der Name Elton John auf. Irgendwann kommt auf diesen Sendern immer etwas von Elton John. «Sorry seems to be the hardest word». Mir ist zum Weinen. Ich stecke nun schon seit einer halben Stunde hier fest, und draussen zieht das Leben an mir vorbei. Jeanna Mas, La Toute Première Fois. Die CD habe ich mir vor 25 Jahren gekauft, danach mindestens 25 Mal auf Endlosschlaufe gehört. Erste Liebe. Das war damals.

Im Stau auf der Autobahn vor Avignon, in einem Ford Mini, ausgeliehen bei billiger-mietwagen.de, befällt mich jetzt eine ganz neue Regung. Die erste Midlife Crisis.