Mein Leben im Dreiland

Im Zweifelsfall lieber nicht ins Elsass ziehen

Blick auf das Dreiländereck. Links von der Dreiländerbrücke liegt das elsässische Huningue.

Blick auf das Dreiländereck. Links von der Dreiländerbrücke liegt das elsässische Huningue.

Eine Bekannte wollte ins nahe Elsass ziehen. Sie hat es sich anders überlegt, deshalb musste ich ihr nicht mehr abraten. Ich habe selber lange in Frankreich gelebt. Das Hauptargument, über die Grenze zu gehen, ist das Geld. Wer in der Region Basel ein Häuschen mit Garten kaufen will, muss tief in die Tasche greifen. Im Elsass sieht das anders aus.

In der Grenzregion kann man bereits für 200000 Euro eine neue Dreizimmerwohnung kaufen. Ist es ein Altbau, kosten 70 Quadratmeter zwischen 100000 und 150000 Euro – das kommt auch sehr auf die Lage an. Vermieten kann man die gleiche Wohnung für 700 Euro. Für Basler Verhältnisse ist das halb geschenkt und auf dem Dorf sieht das noch mal anders aus.

Die Beispiele befinden sich im Städtchen Huningue. Ich habe dort selber eine kleine Wohnung, von der ich mich nicht trennen mag. Der Preis ist in den vergangenen fünfzehn Jahre kaum gestiegen.

Während ich mich früher offiziell anmelden musste, wurde die carte de séjour schon vor vielen Jahren abgeschafft – für Schweizer seit der Unterzeichnung der bilateralen Verträge 2002. Das hat zur Folge, dass die Franzosen nicht genau wissen, wie viele Schweizer sich im Elsass aufhalten. Helfen kann das Schweizer Generalkonsulat Strassburg, wo Ende 2017 knapp 24 000 Schweizer gemeldet waren.

Nicht immer einfach ist der Umgang mit der französischen Verwaltung. Zum Glück gibt es auf der Palmrainbrücke zwischen Village-Neuf und Weil am Rhein seit bald 25 Jahre die Beratungsstelle Infobest, die Auskunft zu Fragen wie Steuern und Krankenversicherung gibt. Das Auto muss übrigens am Hauptwohnsitz gemeldet werden, wo auch die Kinder zur Schule gehen müssen.

Lange Jahre gab es auch für Schweizer mit Wohnsitz in Frankreich Probleme mit der Krankenkasse. Das ist zum Glück vorbei: Man muss sich dort versichern, wo man auch arbeitet. Schwierigkeiten kann es geben, wenn jemand seine Schweizer Zusatzversicherung behalten möchte. Um generell in der Schweiz versichert zu bleiben, muss man dies innerhalb von drei Monaten der Grundversicherung mitteilen.

Ich habe gerne in Frankreich gelebt. Eines darf man allerdings nicht vergessen: Huningue liegt zwar im nahen Elsass, aber Verwaltungsstrukturen wie -sprache sind französisch. Das wäre auch mein Hauptargument, um vor einem Umzug nach Frankreich abzuraten.

peter.schenk@bzbasel.ch

Autor

Peter Schenk

Peter Schenk

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