Als sich das Schweizer Textilunternehmen Schwarzenbach aus Thalwil bei Zürich 1897 im elsässischen Hüningen niederliess, war der Hauptgrund, Zugang zum Markt im Deutschen Reich zu erhalten. Schon 1918 aber war es damit vorbei. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Huningue, wie es jetzt hiess, französisch und die Zollgrenze zu Deutschland hoch. Die zum grossen Teil deutschen Arbeiter wurden ausgewiesen.

Die Entscheidung Schwarzenbachs, 1922 auch im Weiler Quartier Friedlingen zu investieren, war also nicht ganz freiwillig. Zeitweise arbeiteten am Oberrhein in der Textilindustrie 60 000 Personen. Weil Grenzen vor dem Ersten Weltkrieg keine Rolle spielten, wurde Arbeitsteilung gross geschrieben. In Friedlingen befanden sich mit Schetty und Schusterinsel immerhin schon zwei Färbereien. Zu Blütezeiten sollten im Quartier 2350 Personen im Textilsektor arbeiten.

Der international aufgestellte Konzern Schwarzenbach verkaufte vor allem in die USA und war 1928 mit 28 000 Mitarbeitern das weltweit grösste Textilunternehmen. Eine Ausstellung im kleinen Museum zur Weiler Textilgeschichte thematisiert die Friedlinger Geschichte der Firma von der Niederlassung 1922 bis zum Anfang der 30er Jahre.

Die Kuratorin der Ausstellung erhielt die Gelegenheit, in Zürich das Firmenarchiv des Unternehmens auszuwerten. Die informative, aber ein wenig textlastige Ausstellung ist nur am Sonntagnachmittag geöffnet.

Ein Besuch lohnt sich deshalb vor allem kommenden Sonntag, 2. Dezember. Dann findet gleichzeitig im Kulturzentrum Kesselhaus neben dem Museum der Tag der offenen Ateliers statt, von denen es 21 unter dem Sägezahndach der Shedhallen gibt. Von 11 bis 18 Uhr empfangen Künstler und Kunsthandwerker die Gäste.

Wer beim Namen Schwarzenbach an eine fremdenfeindliche Initiative von 1970 zur Beschränkung der Ausländerzahl in der Schweiz denken muss, die nur äusserst knapp angelehnt wurden, liegt nicht ganz falsch.

Der Vater des Initianten und Nationalrats James Schwarzenbach war Edwin Schwarzenbach, Verwaltungsratsmitglied im gleichnamigen, international tätigen Textilunternehmen. Das hat seinen antikommunistischen, rechtspopulistischen Sohn nicht daran gehindert, in der Schweiz gegen Ausländer zu trommeln. 

Kesselhaus, Weil am Rhein, bis 7. Juli 2019 , Sonntag 14–18 Uhr.