Die Velolobby sendet massiv widersprüchliche Signale aus. Zum einen will «Pro Velo» in Basel die radelnden Rowdies zur Besserung erziehen, zum anderen verschickt die nationale Organisation ein ellenlanges Communiqué, in dem sie rumheult, ein Präventionsvideo der Suva und der Kantonspolizeien zementiere Klischees gegenüber Velofahrern. Ausserdem solle man lieber Verkehrsregeln vereinfachen, Signale reduzieren und zudem sei sowieso die Polizei schuld, weil die nicht da kontrolliere, wo es gefährlich ist, sondern dort, wo es für sie am einfachsten sei.

Kurzum, «Pro Velo» argumentiert genau gleich wie die Automobilverbände. Auch bei denen heisst es beständig, man sei gegen Raser, aber die Polizei sei ein Abzockerverein und zu kleinlich und die Signaldichte sei ein Elend. Die Flucht in die Opferrolle scheint Kernthema in der Öffentlichkeitsarbeit von Verkehrsverbänden zu sein.

Ist das Präventionsfilmchen voller Klischees? Ja, ist es. Gutaussehender Dynamikpapi knuddelt süsse Tochter und hübsche Gattin, eilt aus der Luxusimmobilie und schwingt sich aufs Fixie-Bike. Danach radelt er wie ein Irrer durch Lausanne, missachtet Verkehrsregeln am Laufmeter und plaudert dabei in die Kamera, was für ein ökologischer Superheld er doch sei. Nach einem schwungvollen Ausweichmanöver gerät Hipsterdaddy auf die Gegenfahrbahn, küsst eine Kühlerhaube und segnet das Zeitliche. Das ist in der Tat eine Parodie auf einen Velofahrer modernen, urbanen Zuschnitts.

Recht habe die Behörden in diesem Fall aber trotzdem. Wer durch den Stadtverkehr strampelt, sollte seine Augen auf der Strasse und seine Aufmerksamkeit bei der Sache haben. Und sich an die Regeln halten. Genau wie ein Autofahrer auch. Letzterer hat aber im Falle eines Unfalls noch einen Blechpanzer und ein paar Airbags zwischen sich und der permanenten Ausfahrt von der Strasse des Lebens. Also: Weniger jammern, denn das lenkt auch vom Verkehr ab.