Der Dachverband der Baselbieter Kulturschaffenden engagiert sich für die regionale Kultur und versucht, dem starken Spardruck und Kulturraubbau der Baselbieter Politik Paroli zu bieten. An seiner Jahresversammlung vergangene Woche wurde das erste Jahr der Kulturlobbyisten vereinsmässig korrekt verabschiedet.

Noch wirken die Aktivisten etwas hilflos, und ihr Kampf hat noch nicht Fahrt aufgenommen. Dabei scheint der Druck auf die kulturellen Aktivitäten und insbesondere auf die Finanzen stark zugenommen zu haben.

Bereits wird hinter vorgehaltener Hand auch das bestehende Kulturleitbild des Kantons Baselland – nach knapp 5 Jahren Laufzeit – infrage gestellt, und zahlreiche Zielsetzungen werden als überambitioniert diskreditiert. In der «Basler Zeitung» vom 5. April kolportiert Redaktor Thomas Dähler – ohne Angaben von Adressaten – Meinungen, welche die gegenwärtige Kulturpolitik und die im Kulturleitbild formulierten Ansprüche als unrealistisch einschätzen. Die Leitlinien könnten mit der Wirklichkeit nicht Schritt halten, meint Dähler.

Er ortet eine Diskrepanz zwischen dem Konzept und den vorhandenen Ansprüchen, um dann zu schlussfolgern, dass die hohen Zielsetzungen dem früheren Leiter kulturelles.bl, Niggi Ullrich, nur dazu gedient hätten, überkandidelte Kulturprojekte zu finanzieren. Das sind frivole Unterstellungen.

Es sei an dieser Stelle kurz daran erinnert, dass das bestehende Baselbieter Kulturleitbild (2013 bis 2017) die Quintessenz eines breiten Mitwirkungs- und Vernehmlassungsprozesses darstellt. Die Politik wollte einen solchen Mitwirkungsprozess und hat in der Folge daran teilgenommen. Das Papier wurde anschliessend vom Landrat zur Kenntnis genommen. Damit wurden alle Vorgaben und Ziele des Baselbieter Kulturleitbildes offiziell sanktioniert.

Es wäre daher wünschenswert (und vielleicht auch ein Gebot der Stunde), wenn das Kulturleitbild periodisch überprüft und öffentlich diskutiert würde. Keinesfalls wäre es statthaft, wenn die Kulturabteilung das Papier unter Ausschluss der Öffentlichkeit heimlich nachbessert und den finanziellen Sachzwängen entsprechend anpasst.

Die Abteilung kulturelles.bl ist gehalten, einen öffentlichen Mitwirkungsprozess zu organisieren und mit den involvierten Kulturschaffenden eine sorgfältige Analyse des Status Quo zu initiieren.

Dies scheint mir auch im Hinblick auf die angedrohte Aufkündigung der Kulturvertragspauschale mit Basel-Stadt ein relevantes Anliegen. Die geplanten kulturellen Eingriffe müssen öffentlich diskutiert werden. Hier wird an der kulturellen Substanz einer ganzen Region herumgedoktert.

Die von Regierungsrätin Monica Gschwind angedroht Halbierung der Kulturvertragspauschale hat regionale Relevanz und soll nicht am regierungsrätlichen Verhandlungstisch ausgejasst werden. Mit der Halbierung der öffentlichen Gelder würden zahlreiche städtische Kulturinstitutionen existenziell bedroht.

Das ist auch für die Kulturkonsumenten nicht unerheblich. Es ist zudem stossend, dass die kulturelle Zukunft unserer Region lediglich als monetäres Problem dargestellt und behandelt wird. Ein kulturpolitischer Diskurs ist notwendig.

Der Verband Kultur Baselland ist also gefordert und muss, nolens volens, auf Kampfmodus schalten.