Ich bin ein Landei. Als solches fühlte ich mich bis anhin wohl und sicher in meinem Dorf. Letzteres, weil es hier meist ruhig und geordnet zugeht. Und sollte das einmal nicht der Fall sein, so wäre die Polizei schnell hier. Das meinte ich jedenfalls, bis ich vor kurzem in unserem Dorfblatt, dem Reigetschwyler Bott, las, dass dem nicht so ist. Zumindest nicht in Sachen Ruhe und Ordnung, das heisst, wenn es etwa zu laut wird oder sich sonst jemand ungebührlich aufführt.

Immer wieder seien Hilfesuchende von der Polizei zu Zeiten, an denen diese vertraglich für Ruhe und Ordnung zuständig gewesen wäre, an die Gemeinde verwiesen worden, schrieb der Gemeinderat. Von der bz um konkrete Beispiele gebeten, blieb der zuständige Gemeinderat Thomas Moser vage und verwies auf Gehörtes von Dritten. Heisst das, dass unser Gemeinderat die Polizei zu Unrecht anschwärzt oder dass die Polizei versagt? Dann reichte Moser nach, was die Gemeinde vor allem zur Kündigung der Leistungsvereinbarung mit der Polizei getrieben hatte: Gemeindepräsident Urs Casagrande soll entlastet werden. Davon stand im «Bott» kein Wort.

Die Folge: Ab Juli sorgen in meinem Dorf nicht mehr Casagrande (tagsüber von montags bis freitags) und die Polizei (zu übrigen Zeiten) für Ruhe und Ordnung, sondern ein privater Sicherheitsdienst rund um die Uhr. Dessen stellvertretender Chef meinte zur bz, dass solche Einsätze manchmal eine Gratwanderung seien, weil seine Leute nicht wüssten, um was es gehe. Ein harmloser Telefonanruf könne sich vor Ort als heikle Situation erweisen. Für mich heisst das: Jetzt fühle ich mich nicht mehr so wohl und sicher – unwohler wegen der gemeinderätlichen Informationspolitik, unsicherer, weil die, die für Ordnung sorgen sollen, selber unsicher sind.