Regierung und Landrat können sich jetzt gegenseitig auf die Schultern klopfen und die Handschlag-Affäre von Therwil für aufgearbeitet erklären. So richtig froh machen will die am Donnerstag verabschiedete Gesetzesänderung trotzdem nicht. Offensichtlich ging es vor allem darum, auf öffentlichen Druck hin politischen Aktivismus zu beweisen, ohne sich mit den konkreten Folgen der eigenen Beschlüsse auseinanderzusetzen. In der politischen Debatte wurde beispielsweise nie erörtert, was eigentlich passiert, nachdem die Meldung von renitenten ausländischen Schülerinnen und Schülern erfolgt ist. Ist das ausführende Organ, das Amt für Migration, überhaupt auf solche Meldungen angewiesen? Viel eher wurde hier ausgerechnet von jenen politischen Kräften, die stets den Abbau von Bürokratie predigen, ein weiterer überflüssiger Papier- und Formularkrieg angezettelt.

Wenn die Zusammenarbeit zwischen Gemeindebehörden und Migrationsamt klappt, hat Letzteres radikalisierte Familien längst auf dem Radar, noch bevor eine Schule «Verfehlungen» melden muss. Die Schulleitungen ihrerseits werden vermutlich aus Angst, dass man ihnen nachträglich eine Unterlassung anlasten kann, jeden Pipifax anzeigen. Die schwammige Weitläufigkeit des Begriffs «wesentliche Probleme» legt diesen Schluss nahe. Und was passiert mit den angezeigten Kids, sobald sie dem Flegelalter entwachsen? Werden sie durch eine Meldung derart stigmatisiert, dass ihnen später die Einbürgerung verwehrt werden könnte? Man darf gespannt sein, ob irgendein Problemfall dank des neuen Gesetzes gelöst werden wird, den man nicht auch unter der alten Rechtslage in den Griff bekommen hätte.