Die Strassburger Tabakhändler wehren sich, und zwar vehement. Seit April 2017 ist das Strassburger Tram bis ins deutsche Kehl verlängert worden. Weil die Zigaretten dort mehr als einen Euro pro Paket günstiger sind, haben sie stellenweise bis zu 30 Prozent Umsatzeinbussen erlitten. «Wenn Sie an einem Tag zehn Mal hin- und zurückfahren und jedes Mal vier Stangen mitbringen, bringt das einen guten Verdienst», ärgert sich Patrice Soihier, Präsident der unterelsässischen Tabakhändler-Vereinigung.

Zum Teil machen die Tabakhändler die «Compagnie des Transports Strasbourgeois» (CTS) und das neue Tram für ihre Probleme verantwortlich, weil sie den Zigaretten-Einkaufstourismus erleichtere. Sie fordern Informationstafeln in den Strassburger Trämli, die auf die Problematik und die Gesetzeslage hinweisen, generell die Beschränkung der Tabakimporte auf maximal zwei Pakete am Tag und die Angleichung der Zigarettenpreise in Europa. Die Geschäfte in Kehl haben sich auf ihre französische Kunden eingestellt. So werben die sechs Kehler Badischen Kioskbetriebe im Internet mit den typisch französischen Bezeichnungen «Tabac & Presse».

Der Trambetreiber hat den meisten Ärger

Den meisten Ärger bekommt die CTS ab. Mit Aktionen und Demonstrationen haben die Tabakwarenhändler schon im Sommer begonnen. Derzeit boykottieren sie den Verkauf der CTS-Produkte in ihren Läden, das sind vor allem die Tickets, bis ein lang versprochener Termin für einen runden Tisch mit CTS- und Behördenvertretern endlich steht. Um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, kann sich Soihier auch zeitlich begrenzt Blockade-Aktionen des Trams vorstellen. Irgendwie kommt einem der Ärger um das Einkaufs-Trämli aus Basler Sicht ja bekannt vor.

Schon bald könnten die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) ähnliche Probleme wie die CTS bekommen – und zwar aufgrund der 3er-Tramverlängerung ins elsässische Saint-Louis. Die französische Regierung erhöht die Zigarettenpreise im März 2018 pro Paket um einen Euro. Das wäre dann in der Schweiz erheblich billiger als in Frankreich. Bis 2020 soll der Preis sogar auf zehn Euro klettern.

Aus der Schweiz dürfen Franzosen eine Stange zollfrei über die Grenze bringen. Das lohnt sich, selbst wenn es nicht vier Stangen wie innerhalb der EU sind. Thierry Lefebvre, der die südelsässischen Tabakwarenverkäufer vertritt, sieht deshalb neben den Problemen mit Deutschland schon die mit der Schweiz auf sich zu kommen.

Monopol auf Tabakverkauf

Die «tabacs» haben zwar in Frankreich das Monopol auf den Verkauf von Zigaretten, aber das nützt ihnen nicht viel. 28 Prozent der Zigaretten werden über das Ausland oder das Internet gekauft. Heute gibt es im Südelsass noch 240 Tabakwarenhändler, 2003 waren es 350.

Die Karriere der Strassburger Tramverlängerung als Einkaufs-Trämli dürfte sich noch weiter entwickeln. Bisher fährt das Tram nur bis zum Bahnhof. Für Herbst 2018 soll eine weitere Verlängerung bis zum Kehler Rathaus fertig sein. Dadurch wird die Kehler Innenstadt erschlossen und weitere für die Strassburger aufgrund des niedrigeren deutschen Preisniveaus interessante Geschäfte.

Ein anderes Phänomen kennt man in Basel zum Glück nicht. In Strassburg praktizieren 13- bis 15-jährige Knaben das lebensgefährliche Tram-Surfen, indem sie hinten auf das Tram aufspringen oder sogar auf dem Dach fahren. Ob sie dabei auch noch rauchen, ist nicht bekannt.

peter.schenk@bzbasel.ch

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Die Kolumne macht über die Festtage Pause und erscheint am 10.1. wieder.