Geschickt schürt Shemsi Beqiri die öffentliche Empörung. In seinem offenen Brief an den Baselbieter Staatsanwalt Stefan Fraefel vermutet er einen «weiteren Baselbieter Justizskandal». Er als Opfer werde zum Täter gemacht, und zum körperlichen und materiellen Schaden des Überfalls komme jetzt auch noch die Demütigung hinzu. Darum soll Staatsanwalt Fraefel der Fall entzogen werden, und Beqiri nicht mehr mit «haltlosen Unterstellungen behelligt» werden. Der von Anfang an in den Medien sensationalistisch begleitete Überfall von Reinach ist seit gestern um eine bizarre Episode reicher.

Genau darum gehts. Den eher dümmlichen Provokationen des Hauptangeklagten Paulo B. in den sozialen Netzwerken steht ein ziemlich geschickter öffentlicher Auftritt der Opferseite gegenüber, orchestriert vom gewieften Medienanwalt Jascha Schneider. In der langjährigen Auseinandersetzung zweier verfeindeter Kampfsport-Clans, in welcher der Überfall vom Februar 2014 den unbestrittenen Tiefpunkt darstellte, versuchen beide Seiten, mit ihren Mitteln die öffentliche Meinung auf ihre Seite zu ziehen und dadurch den Prozessausgang zu ihren Gunsten zu beeinflussen.

Bei allem Verständnis für Beqiris Verbitterung über die lange Dauer des Verfahrens: Die Staatsanwaltschaft sollte sich besser nicht von diesem Begleitgetöse beeindrucken lassen. Letzten Endes geht es für sie nur um eines: Eine möglichst stichhaltige, lückenlose Anklage zu erheben, die vor den Gerichtsinstanzen Bestand hat und die zur gerechten Bestrafung aller Schuldigen führt.