«Seit einigen Monaten fühlen sich meine Hände am Morgen steif an und die Gelenke schmerzen. Kann es sein, dass ich im Alter von 37 Jahren schon Rheuma habe?»

Ja, das ist möglich. Rheumatische Erkrankungen können in jedem Alter auftreten, gewisse Formen auch schon im Kindesalter. Gelenkschmerzen bei einer jüngeren Person, ohne Zusammenhang mit einer Belastung bei der Arbeit oder beim Sport oder wegen eines Unfallereignisses, sollten abgeklärt werden, da es sich um eine entzündliche Form von Gelenkrheuma handeln könnte. Dies kann zu Gelenkschäden führen.

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«Bei Rheuma kann es sich sowohl um Arthrose wie auch um Arthritis handeln. Was ist der Unterschied?»

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Unter dem Begriff «Rheuma» werden viele verschiedene Erkrankungen zusammengefasst. Dabei werden rheumatische Erkrankungen mit entzündlicher Ursache vom degenerativ bedingten Rheuma unterschieden. Das entzündliche Gelenkrheuma wird als Arthritis bezeichnet. Dabei kommt es aufgrund verschiedener Ursachen zur Entwicklung einer Entzündung im Gelenk.

Unter diese Erkrankung fallen zum Beispiel die rheumatoide Arthritis und die Gicht. Typisch für Arthritis ist, dass die Schmerzen nachts und in Ruhe am stärksten sind und sich mit Bewegung eher bessern.

Auch eine morgendliche Steifigkeit, die länger als eine halbe Stunde dauert, deutet auf eine entzündliche Ursache der Gelenkschmerzen hin. Demgegenüber ist die Arthrose nicht primär durch eine Entzündung, sondern durch degenerative Alterungsprozesse des Gelenkknorpels bedingt. Es kommt dabei zu einem Verlust des Gelenkknorpels.

Die Schmerzen bei der Arthrose sind im Gegensatz zur Arthritis bei Belastung spürbar, zum Beispiel beim Gehen, und bilden sich in Ruhe mit Entlastung wieder zurück. Arthrose kommt vor allem bei älteren Personen vor.

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«Wie lassen sich Arthritis und Arthrose am besten behandeln?»

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Zunächst ist es wichtig, eine genaue Diagnose zu stellen. Es gibt grosse Unterschiede in der Behandlung der verschiedenen Formen von Arthritis. Grundsätzlich steht bei der Behandlung der Arthritis die Kontrolle der Entzündung im Vordergrund.

Dafür stehen zahlreiche Medikamente zur Verfügung, die es in den meisten Fällen erlauben, nicht nur die Entzündung und damit die Schmerzen zu lindern, sondern auch die Zerstörung der Gelenke zu verhindern, was etwa bei der rheumatoiden Arthritis oder der mit der Hautkrankheit Psoriasis assoziierten Arthritis der Fall sein kann.

Heilen können wir diese chronischen Krankheiten leider nicht, sodass meist eine langfristige medikamentöse Behandlung nötig ist. Anders bei der Gicht, die durch Harnsäurekristalle ausgelöst wird: Dort können die typischen akuten Arthritisschübe durch eine Senkung der Harnsäure im Blut verhindert werden. Dies kann durch eine Ernährungsumstellung und harnsäuresenkende Medikamente erreicht werden.

Bei der Arthrose kann der Abbau des Gelenkknorpels nicht rückgängig gemacht werden. Im Vordergrund steht deshalb die Behandlung der Schmerzen und die Erhaltung der Mobilität durch eine physiotherapeutisch angeleitete Kräftigung der Muskulatur.

Es gibt Substanzen, die als Nahrungsergänzungsmittel angeboten werden, denen eine knorpelerhaltende Wirkung zugesprochen wird, was aber wissenschaftlich umstritten ist. Injektionen von Hyaluronsäure, einem natürlichen Bestandteil der Gelenkflüssigkeit, können eine vorübergehende beschwerdelindernde Wirkung haben.

Ist die Arthrose fortgeschritten, kann mit einer Gelenkprothesenoperation die Mobilität wiederhergestellt werden. Ob Arthrose oder Arthritis: Wichtig ist, dass bei anhaltenden Gelenkbeschwerden nicht zu lange mit einer Abklärung zugewartet wird, damit eine der Diagnose angepasste wirksame Behandlung möglichst rasch begonnen werden kann.

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Prof. Dr. med. Diego Kyburz ist Chefarzt Rheumatologie am Universitätsspital Basel.