Ich bin ein Landei. Und als solches stelle ich mir manchmal auch grundlegende Fragen zum Landleben. So etwa kürzlich, als einer meiner Gemeindeoberen im Dorfblatt seine Gedanken zum Thema Rücksicht feilbot. Als eines der vordringlichsten Probleme unseres Dorfes ortete er dabei Pferdeäpfel auf Strassen. Seine Botschaft: Rücksichtnehmende Reiter blicken immer wieder zurück, um sich zu vergewissern, dass ihre Pferde keinen Mist hinterlassen.

Man kann das belächeln. Aber es zeigt etwas Grundsätzliches: Auch viele von uns Landeiern sind mittlerweile meilenweit weg von dem, was das tägliche Leben im Dorf einst prägte und die Leute verband – die Landwirtschaft. Das erstaunt wenig, denn die Bauern sind mit ihren Höfen aus dem Dorf ausgesiedelt und kleben jetzt mehr oder weniger hoch oben an den Hängen.

Die Folgefrage heisst: Was schmiedet uns denn noch zusammen, wenn nicht mehr die Landwirtschaft? Die Landschaft und das Dorfbild? Hier ist der Konsens bröcklig, was schön und gut ist, wie diverse realisierte oder gescheiterte Projekte zeigen. Die dörfliche Gemeinschaft? Die leidet. Die einstige Grundregel «Jung grüsst alt, alt grüsst zurück» gilt nicht mehr, Anonymität macht sich breit.

Noch gibt es zwar die verbindenden Anlässe wie das Konzert des Musikvereins, den Jodlerabend, den Mittagstisch für Senioren oder den Banntag. Aber bei allem Verbindenden sind und bleiben das halt immer Anlässe für ein interessiertes Teilpublikum. Und die Frage bleibt: Was ist denn heute die Klammer, die mein Dorf zusammenhält? Ich muss resignieren, ich sehe sie nicht. Zu heterogen ist die Bevölkerung, zu weit driften die Interessen auseinander von jenen, die mit Haut und Haar im Dorf leben, bis zu jenen, die sich hier praktisch nur schlafen legen.