Unsere kleine Stadt

Keine «Smart City» ohne «Smart Citizen»

Unsere kleine Stadt als Gastgeberin von «SmartSuisse». Zum Autor: Daniel Wiener liess sich bei der früheren «National-Zeitung» zum Journalisten ausbilden. Er ist Kulturmanager, Unternehmer und Berater.

Heute eröffnet die Messe Basel den ersten «SmartSuisse»-Kongress. Eine österreichische Expertin referiert über die «Smart City» nach der Definition der Stadt Wien. Diese lautet: «Intelligent ist, was das Leben für alle einfacher macht.» Viele Menschen sehen das ganz anders: Es ist ihnen nicht geheuer, wenn die IWB den Zähler im Keller von Ferne abliest. Algorithmen, die Ampeln nach dem Verkehrsaufkommen steuern, erscheinen ihnen verdächtig. Wenn die Stadt ein flächendeckendes WLAN-Netzwerk einführen möchte, beschleicht sie das mulmige Gefühl, überall und immer beobachtet zu sein. Während wir uns daran gewöhnt haben, von Facebook, Google und anderen US-amerikanischen Technologie-Giganten ständig vermessen und zielgenau mit Werbung eingedeckt zu werden, widersetzen wir uns der Vorstellung, dass einheimische Instanzen, zum Beispiel der Kanton, alles über uns wissen.

Dabei geschieht diese Datensammlung, so verheisst uns «SmartSuisse», nur zu unserem Wohle. Eben, um unser Leben zu vereinfachen. Ohne unser Zutun fliesst der Strom vom Solardach ins Netz – und wir verdienen mit. Die Waschmaschine wäscht, wenn die Energie am billigsten ist. Schon bald holen uns fahrerlose Autos vor der Haustür ab und bringen uns unkompliziert ans Ziel. Abstimmen übers Internet wird zur Routine. Der Kühlschrank registriert automatisch, wenn Milch, Salat oder Butter fehlen und übermittelt die Bestellung dem Online-Shop unserer Wahl. Das System verfolgt unseren Tageslauf. Es weiss, wann wir nach Hause kommen und liefert die frische Ware pünktlich ab. Der moderne Milchmann kennt keine Wartezeiten.

So wird das Leben einfacher. Oder doch nicht? Viele Menschen fühlen sich von der Digitalisierung aller Lebensbereiche nicht nur unnötig kontrolliert, sondern auch überfordert. Sie verweigern sich der Datensammlung. Der moderne Milchmann funktioniert aber nur, wenn das System die Lebensgewohnheiten der Menschen kennt, die Dinge oder Dienstleistungen nachfragen. Das Konzept der «Smart City» wie auch andere technologische Ideen rund um das neue digitale Zeitalter stehen und fallen mit der Bereitschaft der Menschen, die hungrigen Rechner mit aktuellen persönlichen Informationen zu versorgen. Datenverweigerer können die «Smart City» lahmlegen. Und das ist gut so.

Zentral für den Erfolg einer digitalen Zukunft ist der gerechte Ausgleich zwischen Geben und Nehmen. Es wird keinen technologischen Fortschritt ohne eine öffentliche Diskussion um Technologiepolitik und die gerechte Verteilung des Nutzens geben. Mit anderen Worten: Es gibt keine «Smart City» ohne «Smart Citizen». Am Rheinknie bietet der Verein «Smart Regio Basel» für diesen Dialog eine Plattform. Die Kantone sollten darüber nachdenken, wo es neben dem privaten Geschäft mit dem «Internet der Dinge» auch einen «Service Public» für digitale Dienstleistungen und Produkte braucht. Nicht kommerzielle Angebote für ein «einfacheres Leben» müssen möglich bleiben. So wie die SRG auch Sendungen produziert, die nicht rentieren. Lokale Daten sind unser digitales Gold. Sie müssen lokal gespeichert werden und ihr Einsatz ist demokratisch zu kontrollieren. Wenn wir den Kopf in den Sand stecken, landen die Informationen auf Rechnern in der Karibik oder im Silicon Valley, wo sie unserem Zugriff entzogen sind.

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