2017+83=2100. Diese harmlose Gleichung hat es in sich. Wir befinden uns jetzt im Jahr 2017. Die Zahl 83 steht für die durchschnittliche Lebenserwartung der Schweizerinnen und Schweizer. Diese liegt deutlich über dem Niveau der meisten anderen Länder. Und 2100 ist das Jahr, das uns sehr fern scheint, utopisch weit weg. In der Realität wird der Durchschnitt aller Kinder, die heute Nacht geboren werden, 2100 persönlich erleben. 2100 ist mit anderen Worten hier, heute, quicklebendige Gegenwart.

Wie sieht 2100 aus? Die Menschen haben es in der Hand wie nie zuvor. Sollten wir unseren gegenwärtigen Lebensstil beibehalten und unseren Ressourcenverbrauch nicht radikal senken, wird weltweit die Hälfte des fruchtbaren Bodens nicht mehr bebaubar sein. Die vom Menschen verursachte Klimaveränderung wird Äcker in Wüsten und Wälder in Steppen verwandelt haben. Umweltflüchtlinge in nie da gewesener Zahl werden vor Hungersnöten und steigenden Meeresspiegeln fliehen. Die Flüchtlingskrisen, die wir heute erleben, wird die Menschheit als harmloses Lüftchen erinnern im Vergleich mit dem Sturm, den unsere Kinder im Laufe ihres Lebens erwartet.

Das sind nur wenige Beispiele, die jeden Tag in den Zeitungen stehen. Und sie sind von nüchternen Forscherinnen und Forschern mehrfach überprüft und in den besten wissenschaftlichen Journalen mit nachvollziehbaren Zahlen und Modellen plausibel dargelegt. Trotzdem passiert fast nichts. Zwar haben viele ein schlechtes Gewissen, wenn sie täglich mit ihrer Benzinkutsche zur Arbeit pendeln oder regelmässig in die Ferien fliegen. Aber wer es sich leisten kann, tut es trotzdem. Die Moralkeule zu schwingen und solches Verhalten als Frevel an den Lebensmöglichkeiten der nächsten Generationen zu brandmarken, ist unpopulär. Obwohl es ebenso um heutige Menschen geht.

Wenn wir die Kinder, die heute Nacht geboren werden, beschützen wollen, dann ist es Zeit, dass wir mindestens in Basel die richtigen Schlüsse ziehen und unsere Stadt auf ein Leben vorbereiten, dass ohne Kohlenstoff-Verbrauch beim Heizen, aber auch beim Verkehr auskommt. Je rascher umso besser. Bei jeder Entscheidung müssen wir uns diese Frage stellen. Es braucht eine Gegenwarts-Verträglichkeitsprüfung, jenseits der aktuellen Konjunktur und der politischen Opportunität.

Dies gilt in Basel ganz besonders, leben wir doch von einer Industrie, der Pharma- und Gesundheitsbranche, welche mitverantwortlich dafür ist, dass unser Leben heute durchschnittlich 83 Jahre dauert. Es ist absurd, einerseits mit medizinischen Mitteln dafür zu sorgen, dass wir immer länger leben, ohne sich auf der anderen Seite darum zu kümmern, dass dieses Leben auch lebenswert bleibt.

Umgekehrt formuliert: Wer sich für Lebensverlängerung engagiert, muss sich auch um Lebensqualität im Jahre 2100 kümmern. Das ist für Basel nicht nur eine Verantwortung, sondern eine ganz besondere Chance. Wir können unsere Stadt als Labor für Zukunftsfähigkeit gestalten und damit nicht nur besser gewappnet sein für die rasch näher rückende Zukunft, sondern auch andere dazu ermutigen, von unseren Innovationen zu lernen.