Die Tür fällt ins Schloss. Was sich wohl hinter dem langen Gang versteckt? Schon oft versuchte ich, beim Haus gegenüber einen Blick in den Hinterhof zu erhaschen, aber immer bin ich zu spät. Gefragt, ob ich mal reinschauen darf, hab ich noch nie. Ich kenne niemanden im Nachbarhaus.

Warum mich überhaupt wundernimmt, wie der Platz hinter dem Nachbarhaus aussieht? Ich suche nach Inspirationen für unseren eigenen Hinterhof. Dieser ist momentan nicht mehr als eine Privatstrasse. Dabei hätte er so viel Potenzial. Die mit Reben begrünte haushohe Wand und die zwei Riegelbauten warten nur darauf, dass der betonierte Hof ihnen gerecht wird.

In der Kleinbasler Altstadt verbergen sich viele grüne Oasen. Das weiss ich. Mein Grossvater züchtete damals in seinem Garten am Klingentalgraben Bienen. Ja, auch das kann man in der Stadt. Im lauschigen Hinterhof des Acero in der Rheingasse fühlt man sich mit Glacé in der Hand unter den Bäumen wie in der Toskana. Der Hinterhof einer Bekannten an der Rebgasse gleicht mit seinem verzierten Brunnen einem mittelalterlichen Burghof. Und in der Utengasse durfte ich am Quartierflohmarkt einen Blick in einen Hinterhof aus dem 18. Jahrhundert werfen. Sauber arrangiert standen da Bank und Tisch bei einem Flieder. Sah gemütlich aus, ist aber nicht ganz mein Stil.

Ich mags wild. Sorgfältig Pflanzen setzen war noch nie mein Ding. Lieber dräckeln. So kam mir neulich die Idee, das rund fünf Quadratmeter grosse Blumenbeet im Hof zu revitalisieren. Seit Jahren liegt es nämlich brach. Meine Mutter liess es mit Kalksteinen aufschütten, weil sie keine Lust hatte, sich darum zu kümmern. Lieber pflegte sie ihre Geranien auf dem Balkon. Und jetzt nehme ich mich dieser Steingrube an.

Weil meine Eltern vor einem Jahr aus unserem Mehrfamilienhaus in der Kleinbasler Altstadt ausgezogen sind, wohne ich nun mit meiner Familie hier. Vergangenen Sommer bepflanzten wir unseren Balkon. Also besser gesagt: meine Partnerin. Sie hat den grünen Daumen bei uns. Ich war fürs Erde schleppen zuständig. Das mache ich gern. Wie bereits erwähnt: lieber dräckeln statt pflanzen. Dieses Jahr ist endlich der Hof dran. Den mache ich jetzt zu meinem Projekt. Sandkasten und Bänkli stehen bereits, der gemeinsame Sitzplatz ist in der Mache.

Fehlt nur noch das Blumenbeet. Der Plan: Unkraut stehen lassen, Erde reinschütten und ein wenig Wildpflanzen säen. Das ist für mich klassisches Urban Gardening, wie es sich für eine Stadtoase gehört. Aus einer gewissen Naivität heraus dachte ich, in einer Stunde seien die Steine weggeräumt. Die Hälfte schaffte ich. Dann fing es an zu regnen. Und so überliess ich das Blumenbeet vorerst seinem eigenen Schicksal. Sobald ich Zeit habe, mache ich mich wieder ans Werk. Aber vorher möchte ich die Kleinbasler Stadtoase der Nachbarn auschecken.