Kommentar

Klotzen, nicht kleckern

Basel erzielt ein Rekordhoch von knapp 750 Millionen Franken Überschuss. (Symbolbild)

Basel erzielt ein Rekordhoch von knapp 750 Millionen Franken Überschuss. (Symbolbild)

Sie wollen endlich eine gute Nachricht lesen? Hier ist sie: Dem Kanton Basel-Stadt geht es finanziell blendend. So gut wie nie seit Menschengedenken. Mit knapp 750 Millionen Franken Überschuss schliesst die Rechnung 2019. Ein Rekordhoch. Die nächste gute Nachricht muss die Regierung in der kommenden Woche verkünden: Dass sie nämlich gewillt ist, das viele Geld umgehend wieder auszugeben zur Linderung der finanziellen Notlage, in welche die Menschen und Unternehmen des Stadtkantons wegen der Corona-Pandemie geraten sind und noch geraten werden.

Jede und jeder unter uns kennt jemanden in seinem Freundes- und Bekanntenkreis, der seit der Verkündigung des nationalen Notstands durch den Bund vor ein paar Tagen kein Einkommen mehr hat. Ein Spaziergang durch die Stadt führt uns vor Augen, was wirtschaftlich noch auf uns zukommen wird.

Ökonomie besteht wie Politik zu einem grossen Teil aus Psychologie. Die Basler Regierung hat vergangene Woche bereits ein erstes Zeichen in diese Richtung gesetzt und (noch vor dem Bund!) erste Notmassnahmen angekündigt. Dieses Zeichen war richtig, aber es wird angesichts der Dimensionen der Krise, wie wir sie heute erkennen können, nirgendwo hinreichen. Gefragt ist jetzt das, was der deutsche Finanzminister Olaf Scholz kürzlich als Absichtserklärung formulierte: «Klotzen, nicht kleckern.»

Autor

Patrick Marcolli

Patrick Marcolli

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