Da höre ich im Radio folgenden Satz: «Bis Ende des Jahrhunderts könnten bis zu 70 Prozent der Königspinguine ausgestorben sein». Ich mag Pinguine und schneuze mich. Sie treten in wunderbaren Tierdoks auf, wo die Männchen «im Bann der Polarnacht zusammenrücken – ein Pakt fürs Leben im Kampf gegen monatelangen Frost». Die paktierenden Pinguinmänner halten mit ihren Bäuchen nicht einfach Eier auf ihren Füssen warm, nänäi, im violinhaltigen Vermenschlichungs-Jargon der Off-Sprecher heisst das: «Jedem Männchen wurde ein einzelnes kostbares Ei anvertraut». Und sie hungern auch nicht, bis die Weibchen zurückkehren, nein, sie «fasten». Und ich glaubte immer, sie hätten einfach nichts zu fressen. Brächten die Kamerateams nur mal frischen Heilbutt mit, man würde sehen, wie weit es bei den Tieren her ist mit dem Verzicht.

Und nun könnten bis Ende des Jahrhunderts bis zu 70 Prozent der Königspinguine aussterben. Beim Schneuzen fällt mir auf, dass es die Ausgestorbenheit gar nicht im Teilzeit-Pensum gibt. Erst ausgestorben ist ausgestorben. Die «sda» formuliert es gescheiter: der Bestand drohe bis Ende des Jahrhunderts um 70 Prozent zu schrumpfen. Aber verflixt: Da sind es Kaiser- statt Königspinguine. Beim «Spiegel» sind es wieder Königspinguine. Bei der «dpa» 70 Prozent«der Kolonien der Königspinguine». Das ist bei weitem nicht dasselbe. «Spiegel online» schreibt 2014, bis Ende des Jahrhunderts werde «die Kaiserpinguin-Population um mindestens einen Fünftel reduziert». Die «Zeit» weiss 2009 von einer «Wahrscheinlichkeit eines Aussterbens des Kaiserpinguins von 36 Prozent». Und so weiter.

Ich hätte auch eine Prognose. Ende des Jahrhunderts könnten bis zu 54 Prozent der Lachse, Innenstädte oder Thurgauer ausgestorben sein. Das Ende des Jahrhunderts ist in 81 Jahren. Wenn die Wissenschaft auf diesen Zeithorizont hinaus jedes Jahr «könnte» und «bis zu» ruft, und die Medien die Fachartikel dann auch noch schludrig übersetzen und mit Ausrufezeichen dramatisieren, werden beide nicht mehr ernst genommen. Damit erweisen sie den bedrohten Arten einen Bärendienst. Der glaubwürdigere Alarm wäre, wenn sie berichten würden, wie viele Tiere oder Kolonien bis jetzt verschwunden sind.

Ich mag Pinguine wirklich, und ich hoffe sehr, dass sie nie aussterben – im Gegensatz zu schludrigen Redaktoren und den Autoren der schwülstigen Off-Texte in Tierdoks. Die würde ich nicht vermissen.