Der Landbasler

Kunst und Brauchtum in den beiden Basel

Die Basler Fasnacht ist nicht nur eine erfolgreiche Symbiose zwischen Volkskultur und Kunst, sondern auch zwischen Städtern und Landschäftlern.

Die Basler Fasnacht ist nicht nur eine erfolgreiche Symbiose zwischen Volkskultur und Kunst, sondern auch zwischen Städtern und Landschäftlern.

Der Landbasler über das Verbindende in der Kultur. Zum Autor: Thomas Schweizer ist ein ehemaliger Lehrer am Basler Gymnasium Bäumlihof und heute als Buchautor und Literat tätig. Er lebt in Füllinsdorf.

Am sonnig-kalten Neujahrstag erlebte die Liestaler Rathausstrasse eine wahre Invasion von unterschiedlichen Pferdegespannen. Das «Fuhrmansznüni» hat sich etabliert und zog darum ein grosses und fachkundiges Publikum mitsamt der Liestaler Polit-Prominenz an. Gleichentags fanden in Basel gleich zwei volkstümliche Anlässe statt. Aus dem Dreizackbrunnen oben an der Freien Strasse floss Hypokras und am Nachmittag boten 76 Alphornbläser auf dem Markplatz den staunenden Zuhörern ein Ständchen dar.

Und die Vertreter der sogenannten Hochkultur? Die hatten natürlich an diesen Tagen ebenfalls zahlreiche Auftritte, gemeinsam von Städtern und Landschäftlern genossen. Darum bin ich weit davon entfernt, die städtische Hochkultur gegen die ländliche Provinzkultur auszuspielen. Gegen die zwei Begriffe habe ich an sich nichts einzuwenden, nur muss man anerkennen, dass beide in gleichem Masse ihre Berechtigung haben. Nicht vergessen: Auch auf dem Land kann durch eine wache Künstlerschaft Hochkultur entstehen.

Nur die urbane Avantgarde mag sich snobistisch und herablassend zur ländlichen Kultur äussern. Sie vergessen dabei, dass auch die Stadt Basel davon einige Elemente aufweist. Es gibt Jodlerchörli, Trachtengruppen, Heimatvereine, Ländlerformationen und einen Schwingerverband. Zum Brauchtum zählt natürlich der echt baslerische Vogel Gryff. Ist ja klar, dass Liestal kein Kunstmuseum von Weltrang haben kann. Ist ja klar, dass ein Theater Roxy nie mit dem Theater Basel verglichen werden darf. Aber der Liestaler Chienbäse gehört ebenfalls zum einzigartigen Brauchtum. Zudem steht im Kantonshauptort das inzwischen schweizweit bekannte Kunsthaus Palazzo und in Augst das römische Theater.

Das vielleicht schönste Beispiel erleben wir bald wieder an der Fasnacht. Ein Anlass, der aus den Tiefen des Volkes kommt und alljährlich eine kreative Kraft entfaltet, die als gewaltige künstlerische Eruption bezeichnet werden muss. Die Basler Fasnacht ist nicht nur eine erfolgreiche Symbiose zwischen Volkskultur und Kunst, sondern auch zwischen Städtern und Landschäftlern.

Eine kleine Notiz in unserer Zeitung will aber so gar nicht dazu passen. Da sollen «viele Oberbaselbieter Künstler» der Meinung sein, der neue Standort des Kunsthauses Baselland auf dem Dreispitzareal sei zu nahe an Basel. «Es muss ein Stück Fake News sein», entfuhr es mir spontan. Wenn nicht, vielleicht fehlender Respekt den Unterbaselbietern gegenüber? Kunst ist nach meinem Verständnis generell grenzüberschreitend und das im eigentlichen wie im übertragenen Sinn. Aber Kunst kann grenzwertig sein, in der Stadt wie auf dem Land. Also, liebe Oberbaselbieter, macht einfach grosse Kunst, und denkt an unsere vergangenen Walter Eglin (Durchbruch in Basel), Jakob Probst (Atelier in der Stadt) oder Paul Degen (Erfolg in New York). Sie hätten bestimmt zum neuen Standort Dreispitz des Kunsthauses nichts einzuwenden. «Encoding the Urban» hiess die soeben zu Ende gegangene Ausstellung im … Kunsthaus Baselland.

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