en PASSant

La belle et la bête

Während der Fussball-Europameisterschaft bereist bz-Redaktorin Céline Feller neun Städte und besucht neun Spiele in vier verschiedenen Stadien. Im Blog «en PASSant» erzählt sie von den Nebenschauplätzen der EM – von Streiks, Sicherheitsmassnahmen und Sauftouren.

Frankreich, du bist wunderschön. Deine unendlichen und grünen Landschaften faszinieren mich. Mehr, als ich mir das je habe vorstellen können. Ich wollte dich nie wirklich besuchen. Viel mehr wollte ich meine zweite Heimat, Spanien, kennenlernen. Oder Bella Italia. Oder das mythische Griechenland bereisen. Oder ferne Ziele wie Kuba, Südafrika oder Hawaii. Aber mittlerweile hast du es mir angetan.

Du hast so ungeahnt schöne Städte, die alle ihren ganz speziellen Reiz haben und Charme versprühen. Wir waren nun seit unserer Abreise schon in Marseille, Lyon, Nizza, Montpellier, Toulouse und nun in Bordeaux. Überall hin möchte ich zurückkehren. Nehmen wir Nizza, mit dem Strand und einem Meer, das blauer und schöner nicht sein könnte.

Mit einem täglichen Früchte- und Blumenmarkt, in denen man sich gleich mittendrin fühlt, und die engen Gässchen, die die Sonne wärmt und zum Leuchten bringt. Frankreich, du bist wie die schöne Belle aus dem Märchen. Du bist speziell. Man mag dich oder hasst dich. Ich habe mich gar verliebt in dich.

Aber leider, liebes Frankreich, schaffst du es nicht, deine negativen Seiten zu kaschieren. Jene, die das Biest aus oben genanntem französischen Märchen ausmachen. Du bist eigenwillig, anstrengend und vor allem alles andere als lernfähig. Aus den Fehlern der Hooligan-Ausschreitungen in Marseille hast Du nichts gelernt. Wir waren eine Woche später noch einmal dort. Im Stadion. Die Ankündigung der viel strengeren Kontrollen war eine leere Worthülse. Wir kamen genau so einfach rein wie beim ersten Mal. Die vielen Pyros, die die ungarischen «Fans» im Stadion zünden konnten, belegen die Ungenauigkeit der Kontrollen.

Und das Bier, das nach Spielende nicht mehr hätte ausgeschenkt werden dürfen vor dem Stadion, das haben wir auch rasch gefunden. In Lyon zeigte sich ein ähnliches Bild. Bier gab es zwar keines nach dem Abpfiff, aber ich konnte meine Wasserflasche mit ins Stadion nehmen.

Und ich hätte ziemlich alles mitnehmen können. Gedanken darüber, was sonst alles hätte im Stadion landen können, mache ich mir lieber nicht. Und zu allem Übel, liebes Frankreich, sendest du widersprüchliche Signale. Du willst unnötige Menschenansammlungen vermeiden, lässt die Fans aber eineinhalb Stunden Schlange stehen, damit sie in die Metro können. In solchen Momenten kann ich dich nicht ausstehen. Ich wollte weg von dir. Wie Belle vom Biest.

Aber am Ende ist es wie im Märchen: Das Gute siegt und überstrahlt das Schlechte. Die Eigenschaften der Schönen lassen auch mich jene des Biests vergessen. Immer und immer wieder.

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