Der von den Regierungen beider Basel ausgehandelte neue Kulturvertrag steht unter Beschuss: 9,6 Millionen Franken pro Jahr soll Baselland künftig an die Stadt zur Abgeltung von Zentrumsleistungen in der Kultur überweisen. Zu wenig, finden Basler Parteien von links bis rechts. Tatsächlich: Zieht man die Besucherzahlen in den Kulturbetrieben heran und postuliert man eine verursachergerechte Finanzierung, so müsste Baselland weit mehr Geld überwiesen.

Eklatant ist das Missverhältnis ausgerechnet bei jenem Kulturbetrieb, der von den beiden Basel am meisten Geld erhält: dem Theater Basel. Gemäss Entwurf zum Vertrag fliessen ab 2022 aus dem Baselbiet pro Jahr 6,7 Millionen Franken – das Gros der künftigen Abgeltungen – ans Theater Basel; Basel-Stadt zahlt Betriebsbeiträge von 32,6 Millionen – fünf Mal mehr. Obwohl das Theater gemäss Erhebungen von fast gleich vielen Baselbietern wie Baslern besucht wird. Insgesamt leistet der Stadtkanton an die 14 im Kulturvertrag festgehaltenen Institutionen künftig 52,3 Millionen Franken pro Jahr.

Es erstaunt daher nicht, dass die städtische SVP in der eben abgelaufenen Vernehmlassung eine paritätische Finanzierung der Zentrumskultur gefordert hat. Die Vereinigung für eine Starke Region Basel/ Nordwestschweiz hat fürs Theater sogar eine gemeinsame Trägerschaft von Stadt und Land ins Spiel gebracht – analog zur Universität.

Doch: Die Basler Parteien sind gut beraten, sich solche Forderungen zweimal zu überlegen. Eine paritätische Finanzierung ist ohne gleichberechtigte Mitsprache des Kantons Baselland weder gerechtfertigt noch politisch umsetzbar. Es ist deshalb auch aus städtischer Sicht zweifelhaft, ob eine paritätische Kulturfinanzierung Sinn macht.

Spielen wir die Szenarien durch: Eine gemeinsame Trägerschaft fürs Theater hiesse, dass Baselland Einfluss auf die inhaltliche Ausrichtung geltend machen würde. Das ist weder im Sinn des Theaters noch des Kantons Basel-Stadt. Die gemeinsame Trägerschaft wäre unweigerlich mit der Verpflichtung verbunden, die Landschaft mit Gastspielen, pädagogischen Projekten etc. stärker in den Theaterbetrieb einzubinden. Das hat man bereits einmal erfolglos versucht – vor der gescheiterten Volksabstimmung über die Erhöhung der Baselbieter Subventionen im Jahr 2011.

Ein Theater beider Basel hätte vermutlich eine andere inhaltliche Ausrichtung als heute, was nicht «nur» die Städter, sondern auch die (mehrheitlich im Speckgürtel wohnhaften) Baselbieter Besucher irritieren würde. Diese gehen ja gerade wegen der urban-progressiven künstlerischen Ausrichtung ins Theater. Lassen wir also die Kirche im Dorf, respektive das Theater in der Stadt.

Ähnlich verhält es sich mit der Forderung nach einer paritätischen Finanzierung der Zentrumskultur. Damit einhergehen würde fast zwangsläufig eine gemeinsame Kulturpolitik. Kurz- bis mittelfristig könnte der Stadtkanton durch die stärkere Baselbieter Beteiligung entlastet werden, ohne dass die städtischen Institutionen leiden müssten. Langfristig aber würde der Druck steigen, das Kulturangebot der Stadt zu redimensionieren.

Baselbieter Kulturinstitutionen in Liestal, Gelterkinden und Laufen mit starker lokaler Verankerung träten plötzlich mit kleineren städtischen Betrieben in Konkurrenz um Anerkennung und Subventionen. Basel-Stadt hat in der Kultur mit Abstand die höchsten Pro-Kopf-Ausgaben aller Kantone. Diese sind auch Ausdruck eines spezifischen Kultur- und Gemeinsinns – und der würde bei einer Verschmelzung der Kulturpolitik verwässert. Das wäre im Sinne der Basler SVP, welche die hohen Ausgaben der Stadt kritisiert. Nicht aber im Sinne jener, denen das heutige, umfassende Angebot am Herzen liegt.

Demgegenüber liegt die Stärke des neuen Kulturvertrags just darin, dass sich Baselland nicht mehr in die Ausrichtung der städtischen Kulturförderung einmischt. Der Landkanton überweist ab 2022 die erwähnten 9,6 Millionen an Basel-Stadt – nicht wie im alten Vertrag von 1997 an einzelne Betriebe. Im bisherigen Konstrukt gab es städtische Institutionen wie die Gare du Nord, die alleine von Baselland subventioniert wurden. Weshalb ausgerechnet sie, wurde nie schlüssig geklärt.

Künftig müssen die Betriebe nur noch ein einziges Subventionsgesuch stellen, sie erhalten eine höhere Planungssicherheit und sind nicht mehr dem Auf und Ab in der Partnerschaft der Kantone ausgesetzt. Finanziell bedeutet der neue Vertrag für die Institutionen gegenüber dem Status quo ein Nullsummenspiel.

Bei den 9,6 Millionen handelt es sich um einen politisch festgelegten Betrag – nicht um einen nach objektiven Kriterien errechneten. Der Baselbieter SVP ist die ausgehandelte Abgeltung zu hoch, einigen Basler Parteien zu tief. Ein Hinweis darauf, dass die Regierungen nicht völlig daneben liegen. Wichtiger als die Beträge sind ohnehin die festgehaltenen Grundsätze: Diese bringen Klarheit im bisherigen «Gnusch» der Subventionen und lassen beiden Kantonen Raum für eigene Schwerpunkte in der Kulturförderung.