Persönlich

Leere Kinosäle an bester Lage

«Was ist mit der Kinokultur passiert?»

«Was ist mit der Kinokultur passiert?»

Was ist mit der Kinokultur passiert? Die Frage stellte sich mir in den vergangenen Wochen jedes Mal, wenn ich mich in einen der Basler Säle setzte. Denn so unterschiedlich der Schweizer Nischen-Dokfilm «Gateways to New York» über den Ingenieur Othmar Ammann und der Hollywood-Film «Rocket Man» über den Popmusiker Elton John formal und inhaltlich auch sind, so hatten sie doch eines gemeinsam: erschreckend wenig Zuschauer.

«Rocket Man» sah ich am Samstag, 20.40 Uhr, Regenwetter, beste Kinozeit. Früher war der grosse Küchlin-Saal dann jeweils «brätschvoll». Tempi passati. Für «Rocket Man» wurden die Parterre-Plätze nicht mal für den Verkauf freigegeben. Offenbar rechnen die Betreiber nicht mehr damit, dass der Saal zur Hälfte voll werden könnte. So gönnt man sich als Besucher zwangsläufig einen Platz auf dem Balkon für 19 Franken und stellt fest, dass selbst hier oben die Mehrheit der Sitze leer bleibt.

Dasselbe habe ich in den vergangenen Monaten bei «A Star Is Born» und «Bohemian Rhapsody» erlebt: Hollywood-Blockbuster im prächtigen Küchlin-Hauptsaal, aber kaum Publikum in den Sesseln. Ein trister Anblick. Das lässt nichts Gutes für die Zukunft des Kinos erahnen. Denn Netflix und Home Cinema lassen sich nicht mehr zurückdrängen.

So wie sich die Zeiten ändern, war es ganz gut, dass die Basler Stimmbevölkerung vor Jahren Nein sagte zu einem Multiplex-Neubau an der Heuwaage. Denn dieser müsste wohl bald umgenutzt werden. Bleibt noch die Frage: Wie schlau ist es, im Einkaufszentrum Stücki neue Kinosäle zu eröffnen? Lautet das Stücki-Motto: von leer zu leer? Wenn nicht einmal mehr der «Rocket Man» im Basler Kino abhebt, wer dann?

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