Leinen los für Hunde in Basel – weit kommen sie ohnehin nicht

Gefährliche Hunde gibt es nur im Baselbiet – in der Stadt haben die meisten Vierbeiner Handtaschengrösse.

Zugegeben: Ich bin kein Hundefan. Hunde sind mir zu ergeben (hündisch, fast schon). Ich bin jetzt auch kein Katzennarr, die finde ich einfach ein bisschen zu arrogant. Eine Debatte übrigens, die sich mir nie erschliessen wird. Ich will mich nicht entscheiden müssen.

Und wenn doch, dann fiele meine Wahl wohl auf die Brückenechse. Die ist so faul, dass sie sich zuweilen während Tagen nur auf das Blinzeln beschränkt. Zur Nahrungsaufnahme setzt sie sich schlicht vor ein Insektennetz. Eine beeindruckende Lebenseinstellung, wie ich finde. Bei diesen lebenden Fossilien (ja genau, ihre Lebensweise hat sich sogar bezahlt gemacht) erübrigt sich auch die Leinenpflicht – Sie merken, ich habe elegant zum Thema gefunden. Bei Hunden wiederum finde ich einen Zwang für den ganzen Kanton lächerlich.

Zuallererst ist es sehr stossend, dass die Stadt-(haha)Gemeinde Riehen wieder einmal dem ganzen Kanton etwas vorschreiben möchte. Da wäre es doch viel einfacher, die Riehener würden sich um ihre eigenen Grenzen kümmern. Der Slogan dieser Stadt, die keine sein will, ist ja das «grosse grüne Dorf». Von Zeit zu Zeit zeigt sich, dass der dritte Teil in diesem Spruch wohl der Wahrheit am nächsten kommt.

Aber auch in der Sache zielt diese Forderung an der urbanen Realität vorbei. In der Stadt ist die Sorte SUV-fahrender, Bürstenhaarschnitt- und Tribal-Tattoo tragender Rottweilerhalter nämlich dünn gesät. Solche gehören ganz klar an eine kurze, starke Leine. Und da sind nicht mal nur die Hunde gemeint. Wobei: Diese armen Viecher (jetzt bin ich bei den Hunden, sie habens bemerkt) werden ja darauf abgerichtet, sich auf kleinere Lebewesen zu stürzen. Und diese gehören geschützt. Eine Leinenpflicht im Nachbarskanton macht also durchaus Sinn.

Hier aber gibt es kaum Rehe und die Gruppe jener Menschen, die gerne Exkremente in Güggli rumschleppt, konzentriert ihre Liebe auf Vierbeiner im Handtaschenformat. Diesen Fusshupen ist es angesichts ihrer überzüchteten Stummelbeine nicht zuzutrauen, sich irgendeinem Lebewesen gefährlich zu nähern. Die Brückenechse einmal ausgenommen.

 

Lesen Sie den Artikel zum Thema



 

«Hunde gehören an die Leine: Bambi und ich danken»

Im Baselbiet herrscht Leinenpflicht. Das ist gut so, denn Hunde sind böse und machen mir Angst.

Vom 1. April bis 31. Juli müssen Hunde im Baselbiet an die Leine. Zwar nur im Wald und in dessen Nähe, aber immerhin. Zum Schutz der Wildtiere, heisst es ganz offiziell. Nun, mir gehts mehr um mich und mein Wohlergehen. Denn Bello, sei er noch so klein, macht mir Angst. Es gibt nichts Angsteinflössenderes, als wenn einem so ein monströses Vieh ohne Leine entgegenkommt.

Stellen Sie sich vor, Sie laufen fröhlich pfeifend, die Wandersocken bis unter die Kniekehlen gezogen, auf den Jurahügeln umher. Der Weg wird schmaler und schmaler, plötzlich steht das Grauen vor Ihnen. Ein Dackel. Ohne Leine. «Keine Angst, er beisst nicht», schreit das Herrchen aus 50 Metern Entfernung. «Mir egal, er sieht gewalttätig aus mit seinem langgezogenen Körper und seinem bösartigen Hundeblick. Und das Schwanzwedeln macht mir Angst», schreien Sie zurück, die zähnefletschende Bestie mit dem Fuss vorsichtig wegschiebend.

Natürlich schreien Sie nur innerlich, denn das Herrchen wollen Sie nicht provozieren. Jeder weiss: wie das Herrchen so der Hund. Und umgekehrt. Provozieren Sie den einen, beisst der andere zu. Darum schlängeln Sie sich wenig elegant im Dickicht an Hund und Herrchen (oder gendergerecht Dämchen?) vorbei und hoffen das Beste. Dabei zertrampeln Sie einen Fuchsbau, hauen mit einer unachtsamen Bewegung ein Vogelnest von einem Ast, die Jungvögel zirpen ein letztes Mal.

Aber Sie sind in Sicherheit. Immerhin. Zumindest für den Moment. Denn an der nächsten Ecke lauert eines dieser schwer atmenden, überzüchteten Boxerhündchen. Weit und breit kein Herrchen zu sehen, und Sie denken sich: «Die heissen nicht ohne Grund Boxer», nehmen die Fäuste hoch und tänzeln, wie einst Muhammad Ali, um das Tier herum. Es dreht sich zwei mal im Kreis, hebt das Bein und pisst Sie an.

Das fiktive Beispiel, das aber jederzeit Realität werden kann, zeigt eines ganz klar: Hunde gehören an die Leine. Auch in der Stadt. Denn auf dem Land kann ich wenigstens durch den Wald ausweichen. Im Moloch der engen Stadt hingegen bin ich den Bestien ausgeliefert. Und auch Bambi würde sich freuen, wenn es sich mal in die Stadt verirrt.