In einer Basler Beiz am Mittag. Am Nebentisch echauffiert sich ein Mann, schätzungsweise gut über 60 Jahre alt. Sinngemäss sagte er: «Als ich in Lörrach an der Kasse stand, hat mich die Kassiererin nicht verstanden, als ich Schweizerdeutsch mit ihr gesprochen habe. Da habe ich ihr gesagt, dass wir hier in der Region so reden und sie gefälligst einen Kurs besuchen soll.»

Für viele Basler, die sich den rasend Hochdeutsch parlierenden Deutschen unterlegen fühlen, dürfte das mit den Südbadenern geteilte Alemannisch ein Ausweg aus diesem Sprachendilemma sein. So fühlen sie sich auch in Lörrach mit den Deutschen auf Augenhöhe.

Sollte die Frau an der Kasse aber aus der Ex-DDR oder dem Ruhrgebiet kommen, wird sie Mühe haben mit dem Alemannisch. Überbezahlt dürfte sie auch nicht sein. Vielleicht musste sie dem ungnädigen Kunden auch noch den grünen Zettel ausfüllen, damit er sich für seinen Einkauf die deutsche Mehrwertsteuer zurückholen kann – die sie selber bezahlen muss.

Anlässlich des Tags der Muttersprache haben die Kollegen von der «Badischen Zeitung» aus der Redaktion in Schopfheim berichtet, wie sie zum Alemannisch gefunden haben und auf welche Schwierigkeiten sie dabei stiessen. Das war hoch spannend zu lesen.

Da hat der Eine im hessischen Exil stur weiter Dialekt gesprochen, auch wenn der hanseatische WG-Mitbewohner nicht nachkam. Ein Redaktor, geboren in Hamburg, erzählt von seinen Schwierigkeiten, als er anfangs in den Dorfparlamenten kein Wort verstanden hat. Heute geht das besser, wobei sein Hochdeutsch zunehmend von alemannischen Einsprengseln durchzogen ist. Der nächste musste sich das Alemannisch erst mühsam im Fussballverein aneignen. Er kam aus der Dialekt-Hochburg Wiesental, war aber auf Hochdeutsch erzogen worden.

Ein anderer stammte aus der Pfalz und lobte, wie ehrlich und unverstellt manche politische Debatte auf Dialekt wurde. Die einzige Redaktorin war eine Einheimische, die erst während der Studienzeit im fernen Bayern lernte, dass Alemannisch Heimat bedeutet und Heimat verbindet – ja, dass Dialekte Vielfalt und Identität schaffen.

Im Unterschied zu Südbaden oder dem Elsass kämpft der Dialekt in Basel nicht ums Überleben. Da sollten die Basler mit ihrem schönen Baseldeutsch die Gelassenheit haben, im nahen Ausland auf Hochdeutsch umzuschalten, wenn sie nicht verstanden werden. Denn Sprache dient erst einmal, noch weit vor der Identität, der Verständigung.

Die Kolumne fällt während der Fasnachtsferien bis 17. März aus.

peter.schenk@bzbasel.ch