Baselwords

«Machen Sie Platz, Messieurs Dames!»

Die erste Obfrau überhaupt: Pia Inderbitzin.

Tout Bâle befasste sich vergangenen Monat mit der Genderfrage. Und verfolgte spannende Geschlechterkämpfe.

Ausgelöst wurde die Serie durch eine Revolution im Basler Fasnachtscomité, dessen Obmannsthron nach 107 Jahren Männerherrschaft der Fürstenbergers, Lotz’, Meyers, Rudolf von Rohrs und Bürgins am morgigen 1. Juli erstmals von einer «Junte» erklommen wird. Die Lehrerin Pia Inderbitzin will sich allerdings eigenen Angaben zufolge von ihren hosentragenden Vorgängern weiterhin lediglich durch das Lüpfen eines roten statt eines schwarzen Hutes unterscheiden.

Von tiefroter Farbe war auch der Hut, welchen BS-Nationalrat Beat Jans vergangenen Monat beim innerparteilichen Fight um den Stadtbasler Ständeratssitz in den Ring warf. In Umkehrung eines Frauentag-Schlachtrufs von 1991 empfahl der ehemalige Basler SP-Vormann seiner Parteikollegin Eva Herzog: «Machen Sie Platz, Madame!». Und für den von Genossin Anita Fetz freigegebenen Stöckli-Stuhl empfahl er dann gleich sich selber.

Aber nicht nur bei den Roten machte sich ein alter, weisser Mann auf, eine Frau politisch auszukegeln. Auch die Grünen liessen zur Überraschung ihrer Bündnispartner durchsickern, dass ihr Alt-Regierungspräsident Dr. med. Guy Morin sein politisches Comeback plane. Der in seinem früheren Beruf offenbar unterforderte Ex-Magistrat tarnte seinen Angriff auf den Nationalratssitz von Parteigängerin Sibel Arslan nur unzulänglich mit der Beteuerung, er wolle sich nur als Stimmenfänger für deren Wiederwahl zur Verfügung stellen.

Dass diese selbstlose Offerte aber auch zur Abwahl der migrationshintergründigen Kollegin und zum Rückfall ihres Mandats an das bürgerliche Lager führen könnte, liess dort Freude aufkommen. Hatten doch die männlichen Exponenten der Basler BüZa auf die ihrer Ansicht nach wenig geglückten Arslan-Auftritte am Rednerpult jeweils ähnlich shitstormy reagiert wie deutsche Männerrunden auf die WM-Performance der Fussballkommentatorin Claudia Neumann am ZDF-Bildschirm.

Wohl weil die FDP für ihren Rückeroberungsfeldzug dann doch nicht auf ihre derzeit einzige weibliche Grossrätin Martina Bernasconi zurückgreifen mochte, lancierte sie zwecks Aufpolierung ihrer mickrigen Frauenbilanz die Idee eines Politquereinstiegs der weniger vorbelasteten Ex-Telebasel-Moderatorin Tamara Wernli. Als prononcierte #MeNot-Feministin und erklärte Quotengegnerin machte diese Madame jedoch unverzüglich Platz für einen hauptsächlich als Stadt- und Kesslerentwickler bekannt gewordenen Monsieur. Dieser gäbige Thomas versucht seither, trotz seines Migrationshintergrunds als grüner Zürcher Kantonsrat in allen möglichen Medien den Anschein zu erwecken, er habe die Basler FDP und ihre Politik mindestens miterfunden.

Nur bei den Beizern blieb zur Beruhigung der Hosenträger letzten Monat die Genderwelt in alter Ordnung. Das «Machen Sie Platz, Monsieur!» von Spalenburgfräulein Pia Elia an die Adresse des designierten Schüpfer-Nachfolgers Maurus Ebneter verhallte an der Wirte-
verbands-GV ungehört.

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