Der gestrige Prozessauftakt im Fall des Kickbox-Überfalls war nichts für ungeduldige Beobachter. Einer nach dem anderen traten die 17 Verteidiger ans Rednerpult und übten wortreich Kritik an der Arbeit der Staatsanwaltschaft. Vieles davon lässt sich als strategische Winkelzüge zu den Akten legen. Dies im Wissen darum, dass man in der Öffentlichkeit auf Kosten der angeschlagenen Staatsanwaltschaft einfach Punkte sammeln kann.

Mehrere der monierten Einwände werfen allerdings berechtigte Fragen auf. Etwa der Umstand, dass ein beachtlicher Teil der Akten geschwärzt wurde. Vor allem das Ausmass lässt hier aufhorchen. Ein Verteidiger sprach von über 10'000 unlesbaren Seiten, ein Drittel des ganzen Aktenmaterials. Und dies offenbar notabene derart dilettantisch, dass man mit einigen technischen Kniffs gewisse Unterlagen doch noch lesen konnte. Dass auch die Anklageschrift angesichts der langen Verfahrensdauer unausgereift wirkt, ist bezeichnend. Staatsanwalt Stefan Fraefel hatte keine einfache Aufgabe und nicht immer ein glückliches Händchen. Dafür musste er auch harte Kritik einstecken, nicht nur verdient.

Dass jedoch die Anwälte und dem Vernehmen nach sogar Vertreter des Gerichts bis wenige Tage vor Prozessbeginn nicht darüber informiert wurden, dass der Fall führende Staatsanwalt seit Monaten krank geschrieben ist und längst ersetzt wurde, ist mehr als stossend. Dabei dürfte es sich aber um ein Versäumnis des Gerichts zu handeln.

Der Behörde muss man zugute halten: Dass der Leitende Staatsanwalt Boris Sokoloff den Fall übernommen hat, war der richtige Entscheid. Man hat den Fall zur Chefsache erklärt, wie es ein Anwalt gestern gefordert hat. Ob dies allerdings reicht, um die offensichtlichen Versäumnisse auszubügeln, wird sich zeigen. Ein Unterbruch des Prozesses oder gar eine Rückweisung wäre eine Bankrotterklärung.