Wenn Sie diese Kolumne lesen, robbe ich in Engelberg durch den Schlamm. Nicht nur die Basler Rheinstadt, auch die Obwaldner Alpenstadt ist ein schönes Fleckchen Erde. Nur, dass man dort die Erde direkt ins Gesicht bekommt. Heute am Strongmanrun zeige ich, was für ein harter Siech ich bin. 20 Hindernisse stehen mir auf der Strecke im Weg. Ich kraxle die Skipiste hoch, kämpfe mich durch eiskaltes Wasser, überwinde drei Meter hohe Heuballen. Das macht Spass. Hoffe ich doch. Ob ich die 18 Kilometer durchstehe?

Beim Trainingslauf vergangenen Sonntag schob ich bereits bei Kilometer sieben die Krise. Unten an der Treppe der Johanniterbrücke wollte ich den Bettel hinschmeissen. Aber halt: Dieses Hindernis ist ja die beste Übung. Also weiter gehts! Oben angekommen, versuche ich, ein wenig durchzuschnaufen und schaue den Schiffen nach.

Was ist denn das? Die Frau auf diesem Frachter kenne ich ja! Es ist die Künstlerin, die ich vor kurzem in Strasbourg interviewt habe und jetzt mit ihrem Böötli für die Art nach Basel zurückkehrt. Erst nach mehreren Rufen bemerkt sie mich. Ich muss lachen. Sie ist ganz vertieft in ihr Fotoshooting. Madame lässt sich von einer Fotografin auf dem Deck ablichten – so wie bei Germany’s Next Topmodel. Sieht von weitem etwas peinlich aus. Wenigstens ist sie jung geblieben, denke ich, winke und laufe weiter. Was man in meinem Beruf alles für Leute trifft. Letzthin sprach ich mit einer Blutegeltherapeutin. Vor einem Monat hatte ich den Sänger von Toto am Telefon. Kennen Sie, oder? Ich singe mal vor: «I bless the rain down in Africa», ein Riesenhit.

Jetzt nur nicht ablenken lassen, weiterrennen. Die nächste Hürde heisst Rheinsprung. Mein persönliches Skipistenhochkraxeltraining. Judihui, nach 1 Minute 34 ist der Anstieg geschafft, wie mir meine App später zuhause anzeigen wird. Mein persönlicher Rekord. Auf dem Münsterplatz kommt mir ein Pärchen mit Rolls-Royce-Kinderwagen entgegen. Sie mit rechteckiger Brille und Pferdeschwanz, er mit Poloshirt und Jeans. Eine typische, etwas konservativ angehauchte Schweizer Familie. Die hat sicher den Namen ihres Mannes angenommen, unterstelle ich diesem frischgebackenen Mami einfach mal. Nix mit Frauenstreik am 14. Juni. Auch am Klassentreffen vor drei Wochen fiel mir übrigens auf, dass fast alle meiner ehemaligen Mitschülerinnen ihren Namen abgegeben haben. «Weil es halt einfacher ist», so der Tenor. Wo ist die Emanzipation von damals hin?

In Gedanken versunken bleibe ich stehen, setze dann aber zur letzten Runde an. Diese führt über die Schwarzwaldbrücke zum Schaffhauserrheinweg. Das ist dort, wo man keine Buvette will. Ich verstehs. Du bezahlst ja nicht huere viel Stutz, damit du deine Ruhe hast, und dann findet die Party vor deiner Tür statt. Wer ist jetzt der Konservative? Ich! Was solls. Dafür nehme ich sonst die eine oder andere Hürde im Leben.