Rund drei Kilometer Luftlinie haben mich vor einer Normalo-Kindheit bewahrt: In Frankreich ist «Delphine» so exotisch, wie hier «Anna». Meine Gspänli interessierte das aber genauso wenig, wie die Tatsache, dass ein Delfin gar kein Fisch ist: «Warum dann nicht gleich Hai»?

Erwidern konnte ich nichts, denn diese Frage hatte ich meinen kreativen Eltern auch schon gestellt. Von den Flachwitzen bald gelangweilt hoffte ich darauf, spätestens in der Gymi-Zeit die reiferen Kollegen mit meinem «Landgang» nicht mehr zu amüsieren. Am ersten Schultag trug ich den Arm im Gips: «Flossenbruch» lautete die Diagnose. Wie hatte ich mich getäuscht!

In meiner Multi-Kulti Klasse war ich aber nicht die Einzige mit Kicher-Namen. Für einen Aushilfelehrer wurde mein Name aus der Wasserwelt regelrecht zur Feuerprobe. «Delphine», sagte ich, als Erste in der Vorstellungsrunde. Noch wollte er seine Augenbraue heben, als sich meine Nachbarin als «Birke» meldete.

Jetzt witterte der nervöse Lehrer einen Streich. Zögernd fragte er das dritte Mädchen in der Sitzreihe: Tuba war ihr Name. Sein Vertrauen in uns war dahin, und gesehen haben wir ihn nie wieder.