Möglicherweise kriegt er es nochmals hin, greift zum Telefon, macht ein paar Versprechungen, gelobt entschuldigend Besserung und kann am Ende einmal mehr mit dem ihm üblichen Grinsen verkünden: «Alles gar kein Problem.» Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels hat in seiner Politkarriere wahrlich schon gröbere Probleme bewältigt als die drohende Verschiebung der Grossbaustelle am Centralbahnplatz.

Auch wäre es falsch, die Versäumnisse in seinem Departement direkt dem Vorsteher anzulasten. Das Baugesuch vertändelt, die Normen des Behindertengleichstellungsgesetzes falsch eingeschätzt – das alles ist ein paar Stufen unter dem Regierungsrat passiert.

Doch einmal mehr bewahrheitet sich beim Fall Centralbahnplatz die alte Weisheit vom Fisch, der vom Kopf her stinkt. Denn die Unzulänglichkeiten, die zurzeit offenbar werden, sind nur das jüngste Kapitel in einer langen Geschichte, durch die sich die Unbelehrbarkeit des Bau- und Verkehrsdepartements als roter Faden zieht.

Ob konstruktive Vorschläge, berechtigte Kritik oder wütende Brandreden – Wessels tat alle Einwände nonchalant in ein paar Sätzen ab. Das zeigte sich exemplarisch vor wenigen Wochen. Als im Parlament eine Motion angekündigt wurde, in der Politiker aller Parteien einen Baustopp am Centralbahnplatz forderten, hörte Wessels gar nicht hin. Wenige Meter hinter dem Redner sitzend tippte er gedankenverloren auf seinem Smartphone herum.

Anderen erging es nicht viel besser. Als LDP-Grossrat Heiner Vischer vor einem Jahr Vorschläge zur Verbesserung der Sicherheit am Centralbahnplatz machte, erhielt er eine eindeutige Antwort von Wessels: «Aus Sicht der Regierung macht es relativ wenig Sinn, immer wieder die gleichen Fragen aufzuwerfen und dann die gleichen Antworten zu bekommen. Aus diesem Grund erlauben wir uns, hin und wieder einen Vorstoss abzulehnen – einfach weil die Thematik in jüngster Zeit bereits fünf- oder zehnfach behandelt worden ist.»

Die Antwort des Parlaments hätte nicht deutlicher ausfallen können: Der Vorstoss wurde ohne Gegenstimme überwiesen. Und lagert seither in einer Schublade im Bau- und Verkehrsdepartement. Eine Antwort der Regierung steht auch nach über einem Jahr noch aus. Ein Politiker, der – ohne sich ablenken zu lassen – selbstbewusst seinen Weg geht, sagen Befürworter. Dickköpfiger als ein Dreijähriger, monieren Wessels Kritiker.

Um es klar und deutlich zu sagen: An einer Verzögerung der Bauarbeiten am Centralbahnplatz hat niemand ein Interesse – zuallerletzt die öV-Benutzer. Sie dürften am Ende die Leidtragenden der Versäumnisse von Politik und Verwaltung sein, die längere Tramfahrten, umständlichere Umleitungen und unter dem Strich auch höhere Baukosten ertragen müssen. Und selbst wenn die Bewilligung doch noch erteilt werden sollte, der Schaden ist längst da.

Beteuerungen, dass man etwa im engen Austausch mit den Behindertenverbänden stehe, entpuppen sich als hohle Phrasen. Ohne die Intervention des Bundesamts für Verkehr wären offenbar Nachteile für behinderte Personen für die nächsten Jahrzehnte ohne Rücksprache mit den Betroffenen im wahrsten Sinne des Wortes zementiert worden.

Dass sich das Departement derart gegen jegliche Anregungen sperrt, erstaunt nur auf den ersten Blick. Schaut man sich die Vorgeschichte an, erklärt sich die Selbstsicherheit, mit der das Bau- und Verkehrsdepartement noch immer mit dem Thema Centralbahnplatz umgeht. Hier ist jemand sehr von sich selbst überzeugt und zeigt auch deutlich, dass auf gute Ratschläge gerne verzichtet werden kann. Dabei ist jetzt schon absehbar, dass der Centralbahnplatz ein politisches Nachspiel haben wird.

Aber auch das ist nichts Neues: Von der umstrittenen Zahlung der BVB-Million nach Frankreich über das konstante Ignorieren der schlechten Stimmung bei den Tramführern, von der an Freund und Feind vorbei geplanten Ringautobahn bis hin zum geplanten Umzug des Partyschiffs im Rheinhafen, den die bz kürzlich enthüllte: Das Prinzip Wessels hat sich durchgesetzt.