Haben Sie 49'90 Euro zu viel und sind ein grosser Autofan? Für die bescheidene Gebühr dürfen Sie sich wie Cristiano Ronaldo fühlen und einen Bugatti fahren; wenn auch nur für kurze Zeit. Der Fussballstar hat neben mehreren anderen Luxuskarossen auch einen Bugatti Veyron in seiner Garage. Mit über 1000 PS erreicht der schnittige Flitzer über 400 Stundenkilometer.

Gebaut werden die Bugattis in Handarbeit im elsässischen Molsheim, südwestlich von Strassburg. Einen Bugatti Veyron kann man in Mulhouse im Automobilmuseum bewundern. In Zusammenarbeit mit Bugatti bietet das Museum nun das Package «My Veyron Experience» an. Dies umfasst einen VIP-Empfang im Museum, das Eingewöhnen auf der kleinen Rundstrecke, die zum Museum gehört und schliesslich eine 75 Kilometer lange Ausfahrt, die auch auf die «berühmten» deutschen Autobahnen «ohne Geschwindigkeitsbegrenzung» führt, wie es in der Ausschreibung heisst.

«Dort können Sie Beschleunigung und Bremsen ausprobieren, dass Ihnen die Luft wegbleibt», wird das Angebot beworben. Den Schock ihres Lebens dürfte am Tag des Ausflugs die armen deutschen Autofahrer haben, die nichts ahnend mit lahmen 120 km/h einen Camion überholen, während von hinten die Veyron-Rakete angedüst kommt. Der Bugatti-Fahrer wird zwar von einem werkseigenen Chauffeur begleitet, es ist aber kaum vorstellbar, dass der Sportwagen für die Aktion mit einer zweiten Bremse und Kupplung ausgestattet wird wie ein Auto für Fahrschüler.

Wer noch knapp 7000 Euro drauflegt, kann eine Super-Luxus-Ausgabe des Bugatti-Packages buchen. Das Angebot dauert 48 Stunden und beinhaltet einen ganzen Tag am Steuer des Veyron. Gegessen wird in der Auberge de l’Ill, die heute noch zwei Michelinsterne vorzuweisen hat, und im Basler Cheval Blanc von Peter Knogl, das seine drei Michelinsterne noch besitzt.

Ausserdem gehört eine Übernachtung für zwei Personen im Hotel Trois Rois samt Transfer im Bentley nach Mulhouse dazu. In umgekehrter Richtung haben den Weg 1977 die Brüder Schlumpf gemacht.

Nach dem Konkurs ihrer Textilfabriken im Elsass hatten ihre Arbeiter die Hallen des jetzigen Automuseums besetzt und die riesige Automobilsammlung der Schlumpfs mit unzähligen Bugattis entdeckt. Die Brüder flüchteten nach Basel und wohnten viele Jahre im Luxushotel Les Trois Rois. Der Konkurs war neben der Krise der Textilindustrie auf die Finanzierung der Auto-Leidenschaft zurückzuführen.

Von Basel aus führten die Schlumpfs einen langjährigen Rechtsstreit mit ihren Gläubigern und um das Museum. Die Brüder treffen Sie doch nicht mehr, die sind schon lange tot. Aber vielleicht treffen Sie im Hotel ja Ronaldo.

peter.schenk@bzbasel.ch