Am Samstag vor Ostern stand der Wochenmarkt von Saint-Louis im Zeichen des frankreichweiten Wettbewerbs «Le plus beau marché de France». Bis Mitte Juni darf das Städtchen träumen, dass sein Markt von den Zuschauern des grossen französischen Fernsehsenders TF 1 zum schönsten Markt Frankreichs gewählt wird.

Da galt es natürlich, die regionalen Groupies und Besucher zu motivieren, im Internet ihre Stimme für Saint-Louis abzugeben. An vielen Ständen verkaufen die Betreiber ihre Produkte mit einem Bast-Hut – mit einem farbigen Band umrollt, auf dem geschrieben stand: Le plus beau marché de France. Über einen Lautsprecher wurde für den Wettbewerb mobilisiert.

Nun ist der Markt von Saint-Louis vielleicht interessant und abwechslungsreich, hat typisch französische und elsässische Produkte, pflegt die Präsenz der lokalen kleinen Bauern und Produzenten... Eines aber ist er mit Sicherheit nicht: schön. Dessen war sich auch Jean-Louis Alizier bewusst, der als kommunaler Polizist für den Markt verantwortlich zeichnet. «Was die Idylle betrifft, können wir nur schwer mit kleinen Quartier-Märkten in Colmar oder Strassburg oder mit dem nordelsässischen Städtchen Obernai mithalten.»

Nichtsdestotrotz hat es Saint-Louis geschafft, sich in der regionalen elsässischen Ausscheidung, die neben TF 1 auch von der Tageszeitung «Dernières Nouvelles d'Alsace» (DNA) ausgerichtet wurde, mit 35 Prozent der Stimmen deutlich an die Spitze zu setzen. Alizier führt dies auf die Vielfalt der kulinarischen Angebote zurück, zu dem ein umfangreiches Take-Away-Angebot mit Speisen aus Thailand, Afghanistan, Lateinamerika oder der Réunion gehört.

Um in die Liste mit den acht elsässischen Märkten aufgenommen zu werden, musste ein umfangreiches Dossier an TF1 und die DNA geschickt werden. Wie auf vielen französischen Märkten üblich werden auch Kleider angeboten oder günstige Matratzen.

Entdeckt haben den Markt auch die Schweizer und deutschen Nachbarn, wobei die Basler und Baselbieter Besucher eindeutig in der Mehrheit sind. So mancher mag hier seinen Lieblingsstand mit Ziegenkäse und Brot aus dem Sundgau gefunden haben, Stände mit Holzofenbrot, Honig, Konfitüre, einen sensationellen Italiener, einen hervorragenden Käsewagen, Fisch, Fleisch, Gemüse und Früchte oder die Bäuerin aus der Region, die mitbringt, was ihr Garten gerade hervorgebracht hat.

Die Wahlperiode ist eröffnet. Bis Mitte Juni kann man unter www.votreplusbeaumarche.fr unter 23 französischen Märkten wählen – auch von der Schweiz aus. Gestern Abend hatten schon 366 601 Personen abgestimmt. Gewinnt Saint-Louis, wird der Markt in den Mittagsnachrichten um 13 Uhr vom Journalisten Jean-Pierre Pernaut vorgestellt.

Jean-Louis Alizier rechnet sich durchaus Chancen aus. «Alles ist möglich. Schliesslich haben wir mit Basel ja auch einen super tollen Vorort.»

peter.schenk@bzbasel.ch