Nota Bene

Mit Charme zum Chef

Tag der Angehörigen, Infanterie Durchdiener Kaserne Reppischtal, Rekrutenschule, RS

Schweizer Rekruten im Militärdienst. (Symbolbild)

Tag der Angehörigen, Infanterie Durchdiener Kaserne Reppischtal, Rekrutenschule, RS

 An meine Aushebung kann ich mich noch genau erinnern: Drei Herren hinter dem Schreibtisch sehen mich prüfend an und ich versuche eine unterwürfige Haltung einzunehmen. Ob ich diensttauglich sei, fragen sie. «Ich habe Platzangst und leide in Stresssituationen unter Schlaflosigkeit. Schreibt ja auch mein Arzt im Zeugnis», antworte ich. Obwohl ich sagen will: Spinnts euch? Schon mit elf Jahren wusste ich: Militärdienst kommt für mich nicht infrage. Fürs Vaterland durch den Dreck robben und mich von Vorgesetzten anbrüllen lassen? Nein, danke!

Lieber wollte ich mit Altersheimbewohnern käffelen und sie ein wenig im Alltag unterstützen. Was ich die vergangenen 15 Jahre auch tat. Denn zum Glück lautete die erlösende Antwort: «Herr Lachenmeier, es tut uns leid. Wir müssen Sie untauglich schreiben.» Gespielt enttäuscht meinte ich: «Da kann man wohl nichts machen.» Mit dem Hinweis, dass ich gegen die Entscheidung Rekurs einlegen könne, entliessen mich die grün Uniformierten in die Freiheit.

Wären drei Frauen am Tisch gesessen, hätte ich es mit Charme statt Unterwürfigkeit versucht. Scheint ja in der Armee bestens zu klappen. Behaupten jedenfalls böse Zungen. Laut einem Armee-Lobbyist sei man im VBS davon überzeugt, der neue Armeechef Thomas Süssli habe die Frauen in der Findungskommission um den Finger gewickelt. Haha. Interessantes Detail: Im Entscheidungsgremium war das Verhältnis Mann-Frau 3:2. Rekapitulieren wir: Süssli liess bei den beiden Frauen seinen Charme spielen. Dann haben die zwei Damen die drei Männer in der Runde bezirzt. Und schon war er Armeechef. So muss es gewesen sein. Oder sprachen doch ein paar gute Argumente für Süssli? Laut Bundesrätin Viola Amherd ist der Quereinsteiger der perfekte Mann: Er kennt sich im Projektmanagement aus und weiss, wie man sich im Cyber-Krieg verteidigt.

Fakt ist: Der neue Häuptling der Schweizer Truppen bringt Erfahrungen aus der Privatwirtschaft mit. Im Gegensatz zu seiner hochdekorierten Konkurrenz, die wohl mehr Ahnung von Dingen hat, die Leuten wie mir weniger geläufig sind. Hoffen wir, dass der Armeechef eine neue Ära einläutet. Wie wäre es mit der Abschaffung der Dienstpflicht, Herr Süssli?

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1