Vor einer Woche war ich deprimiert. Aber richtig. Wo ich hinschaute: nur Dunkelheit. Nebel in Herz und Hirn. Ein kleiner Junge in unserem Quartier umgebracht von einer Person, die in keinem potenziellen Täterprofil eine Rolle spielt. Entsetzen, Trauer und Sorge überall. Dann die Nachricht aus den USA, dass Lügen, Betrügen und Stehlen nichts Illegales ist, wenn es die Reichen und Mächtigen tun. Die mafiöse Familie und ihre Entourage feiern und schwören öffentlich, alle ihre Kritiker zu vernichten. Meine letzte Hoffnung ist mittlerweile die echte Mafia, dass sie die ganze Bande verklagt wegen Rufschädigung.

Dann die Hetze von einmal mehr vorwiegend alten weissen Männern gegen unsere Jugendlichen, die sich Sorgen um die Erde machen, die wir ausbeuten, als hätten wir mehrere auf Vorrat.

Dringend gesucht: Menschen, die Mut machen. Zum Glück fielen mir einige ein, denen ich in der letzten Zeit begegnet bin. Zum Beispiel Markus Christen, der einen der sozialen Stadtrundgänge von Surprise anbietet. Einzigartig, wie er Ernst und Humor verbindet, aus seinem Leben und dem Leben vieler anderer Geschichten erzählt. Wenn unsere Gruppe von privilegierten Menschen zutiefst beeindruckt und nachdenklich war, dann nicht, weil er uns Schuldgefühle machte. Sondern mit seiner zu-tiefst authentischen Art Brücken baute für uns, damit wir ein bisschen besser verstehen, was Armut, was Hilfe zur Selbsthilfe bedeuten kann. Ich rate: Sofort buchen!

Oder zum Beispiel Permi Jhooti, Ex-Fussballerin des englischen Nationalteams und hochbegabte Künstlerin, die seit Jahren in Basel lebt. Sie vernetzt Menschen miteinander, Schweizerinnen und Expats aus verschiedenen Kontinenten. Sie lädt immer wieder einige Menschen in ihre kleine Wohnung, die sich kaum oder gar nicht kennen. Das Gespräch beim «Pot Luck Dinner» (zu dem alle etwas beitragen) wirbelte vom Rhein-Fischen über die Flugwege von Gänsen bis hin zum fatalen Brexit und zu den Dingen, die uns Mut machen, trotz allem. Warum die in England mehrfach ausgezeichnete Frau in Basel noch keinen Preis erhalten hat für ihren stetigen Einsatz, unterschiedlichste Menschen zusammen zu bringen, weiss ich nicht. Das wird noch kommen.

Oder dann René Thoma, Meister der Ehrengesellschaft zur Hären, eine der 3E im Kleinbasel. Ein vielseitig engagierter Mensch mit einem riesengrossen Herz für Menschen in Not, für junge Menschen mit Business-Ideen und viele andere. Und dabei ist er immer freundlich und zurückhaltend, als sei es das Selbstverständlichste in der Welt, sich für andere zu engagieren.

Sie und andere Baslerinnen und Basler, die Türen öffnen oder direkt ins Herz sprechen und etwas tun, machen mir Mut. Sie stecken an mit ihrem offenen Blick auf andere. Sie erinnern mich daran, dass es nicht viel Geld oder Macht braucht, um das Leben lebenswert zu machen. Sie zeigen durch ihr Leben, dass Teilen alle reicher macht. Der Nebel in meinem Hirn fing an, sich wieder zu lichten. Es gibt die Dunkelheit in der Welt, in uns. Aber sie hat nicht das letzte Wort.

*Der Autor ist evangelischer Pfarrer und seit 2009 Co-Leiter des Pfarramts für Industrie und Wirtschaft Basel-Stadt und Baselland. Er lebt in Basel.