Ende vergangenen Jahres habe ich an selber Stelle über die Balzbeobachtungen bei den Buntbarschen in meinem Aquarium geschrieben. Als aufmerksamer Leser wissen Sie also, dass Babo der Chef ist, seine Weibchen oral befruchtet und seine eigenen Babys auffrisst. Als fürsorglicher Fischfreund habe ich irgendwann entschieden einzugreifen. Kurz bevor die Babys gross genug sind und das Maul der Mutter verlassen, fange ich das trächtige Weibchen mit einem kleinen Kescher ein. Die Babys drücke ich aus ihrem Mund in ein Netz, das oben rechts im Aquarium hängt. Dort wachsen die Kleinen wohlbehütet auf. Es sei denn, ein erwachsener Fisch findet durch einen gezielten Sprung durch die Luft und über den zwei Zentimeter über der Wasseroberfläche liegenden Rand den Weg ins Netz. Zwei Mal ist den raffinierten Fleischfressern dieses Kunststück tatsächlich geglückt.

Irgendwann kommt aber der Punkt, an dem die Babys schlicht zu gross für das Netz geworden sind. Höchste Zeit für die «Freiheit». Ein besonders grosses Exemplar muss als erstes dranglauben. Am nächsten Morgen finde ich ihn zitternd und mit abgebissener Schwanzflosse vor. Ab, zurück ins Netz. Doch dort attackieren sich die Geschwister mittlerweile gegenseitig.

Nachdem ich auch aus dem Netz zwei Fischleichen fischen musste, entscheide ich mich, die restlichen drei Jungfische gleichzeitig auszusetzen. Doch die Evolution schlägt gnadenlos zu. Der einzige Babyfisch, der immer noch lebt, war nie im Netz. Er wuchs in einer Schneckenmuschel und dann unter einem Stein auf und hat gelernt, Babo aus dem Weg zu gehen.