Davos eine Woche danach. Aufgeräumte Stimmung. Stille Idylle, aus den Häusern erklingt nur das leise Klappern der Taschenrechner. Und wieder hat das WEF der Welt wichtige Erkenntnisse geschenkt: Digital ist wichtig, das Klima ist wichtig, die Zusammenarbeit ist wichtig und Bono ist sehr fest gegen die Armut. Hat man so noch nie gehört. Die 3000 Besucher haben vieles mitgenommen. Vor allem Fotos. Ich mit VIP, ich mit B-Promi, ich mit Wer-zur-Hölle-war-das. Schliesslich soll das WEF daheim ja nachwirken bei Wahlvolk, Belegschaft und Frauen. Der Spagat zwischen «demütiger Vordenker» und «geiler Siech» ist gelungen und das Crevettenstückli zwischen den Zähnen auf dem Foto mit Merkel lässt sich hinausphotoshoppen. Beim WEF lernt man viel über den Zustand der Planeten, um die sich alle drehen.

Ich bin in der Woche danach auch noch nach Davos. Nicht im Privatjet, wegen der PR. «2020», sagte ich zu Klaus, als wir uns in die Chämi-Bar setzten, «2020 wird das WEF fünfzig, das muss knallen.» Dann haben wir gebechert und am Morgen stand das Konzept. Also. 2020 kommen die Weltenlenker mit dem Zug. Zweite Klasse. Untergebracht werden sie in Gruppenunterkünften, Zivilschutzanlagen, Heuschobern. Die Armee stellt Schlafsäcke bereit. Grüsel, Diktatoren und Erpel mit klebrig-oranger Kopfbefiederung werden in Schneehütten ausgelagert, die sie selber bauen müssen, betreut von geselligen Menschenrechtler*innen, Globalisierungsgegner/innen und Umweltschützenden.

Bei den ersten Workshops im Schnee erstellen die Konzernchefs Ämtlipläne für’s Einkaufen, Kochen, Abwaschen und Putzen. Lichterlöschen ist um 22.00 Uhr, Tagwache um 04.00 Uhr, körperliche Ertüchtigung um 04.30 Uhr. Wer zu spät kommt, wird bestraft mit drei Tagen Capuns oder drei Minuten Bolsonaro. Tagsüber gibt’s Langlauf und Ämtli, abends draussen Fondue und Lumpenliedchen. Bono ist auch mit drei Promille Glühwein im Blut noch sehr fest gegen die Armut.

Eingeladen sind ferner die Putzfrauen der 3000 Weltenlenker. Sie logieren Fünfstern, parlieren an Raumpflegefachkräfteforen über Stundenlöhne und Arbeitszeiten und erzählen sich die Wahrheit über grusige Chefs und Windeln. Konferenzthema: «WEF – Anspruch und Wirklichkeit». Danach feiern sie bis in die frühen Morgenstunden hinein, wenn die Mächtigen der Welt bereits der körperlichen Ertüchtigung frönen und die Konferenzsäle putzen.

Klaus und ich waren begeistert von unserem Konzept. 24 Stunden später waren wir wieder nüchtern und fuhren zurück in den Alltag. Klaus pflegt von Beruf Hecken, ich erfinde Geschichten. Und das WEF 2020 wird werden wie immer. Wen interessieren Putzfrauen.