Die beiden Basel

Nähe und Vorurteil: Der ewige Streit zwischen Land und Stadt

Karikatur der Kantonstrennung der beiden Basel von 1833

Karikatur der Kantonstrennung der beiden Basel von 1833

Es hat von aussen betrachtet schon fast etwas Verschrobenes, wie sich Städter und Landschäftler piesacken – wenn sie sich nicht gleich ganz ignorieren. Doch was ist es denn, mit dem sich die beiden Kantone plagen?

Natürlich, es war nur ein 1. April-Scherz, den sich die bz in der Ausgabe vom Freitag leistete. Es gab auf der Hülftenschanz anno 1833 kein Unentschieden. Die Trennung muss nicht rückgängig gemacht werden. Guy Morin wird nicht zum Restaurationspräsidenten. Die Basler verloren damals gegen die Baselbieter Freischärler. Und aus einem Kanton wurden zwei halbe. Unwiderruflich. Alle Versuche, die beiden Basel wieder zusammenzuführen, scheiterten in der Folge, meist am (Baselbieter) Volk, einmal (1948) am Bundesparlament. Auch der jüngste Anlauf, der bloss die Prüfung einer allfälligen Fusion beinhaltete, blieb im September 2014 chancenlos. Die Basel-Städter sagten lustlos Ja, die Baselbieter (inklusive Speckgürtel) wuchtig Nein.

Verspannter Umgang

Damit ist das Thema für lange Zeit vom Tisch. Oder, wie der Baselbieter Regierungsrat Isaac Reber nach der Abstimmung sagte, für immer, weil in der Schweiz die Kantone vorher in Metropolitanregionen aufgehen würden. Hochaktuell sind hingegen noch immer die Vorurteile, die den Umgang miteinander bis in den privaten Bereich hinein bisweilen verspannt wirken lassen. Ein Phänomen, das weder mit der Lebensrealität der Menschen in Einklang zu bringen ist, noch auf die Hülftenschanz und die trübe Zeit davor zurückgeführt werden kann. Es hat von aussen betrachtet schon fast etwas Verschrobenes, wie sich Städter und Landschäftler piesacken – wenn sie sich nicht gleich ganz ignorieren. Mal freundschaftlich ironisch, mal politisch handfest mit konkreten (also teuren) Auswirkungen. Spitalplanung mag ein Stichwort sein oder der Steuerwettbewerb. Letzterer, angeheizt von den Baselbietern, um Städter aufs Land zu locken, war und ist unter dem Strich finanziell gesehen ein ziemlicher Schuss in den Ofen. Baselland schreibt rot, die Stadt schwarz. Die Folge: Ein unfruchtbarer Kampf um die Zentrumslasten, zu dessen vorübergehender Befriedung sich die beiden Regierungen zusammenrauften, nur um von der SVP Baselland torpediert zu werden.

Dünkel hüben und drüben

Was ist es denn, mit dem sich die beiden Kantone plagen? Der städtische Dünkel? Diesen gibt es, ohne Zweifel. Man gibt sich gerne urban in dieser Stadt. Zum Teil so ausgeprägt, dass man meinen könnte, New York City müsse ein Vorort von Basel sein. Ein Dünkel, der leicht als Arroganz ausgelegt werden kann, und sich seiner doch nicht ganz sicher zu sein scheint. Die scheelen Blicke nach Zürich, das Unverstandenfühlen in Bundesbern. Da ist es doch leichter, ab und zu etwas auf die Baselbieter herunterzuschauen. Interessanterweise ist dieses Verhalten auch bei manchen Bewohnerinnen und Bewohnern des Speckgürtels zu beobachten. Man fühlt sich als Städter, besucht das Theater, geht in den Ausgang, diskutiert über die basel-städtische Politik – und foutiert sich in der Regel um Liestal und das obere Baselbiet.

Dort wiederum ist eine gewisse Empfindlichkeit feststellbar. Das Zentrum lockt und ängstigt. Es ist vielen nah und trotzdem fern. Die «Urbanität» verführt und schreckt ab. Und ja, es gibt auch einen ländlichen Dünkel. Man ist stolz auf die vermeintliche Unabhängigkeit. Die ersten Zeilen des Baselbieterlieds sind jedermann und -frau geläufig. Und es stimmt ja auch, es ist schön, das Baselbiet. Selbst dort, wo Industrie- und Gewerbegebiete wuchern, finden sich reizvolle Ecken oder zumindest Ausblicke. Nur die ortsfremden Einfamilienhaus- und Villenquartiere wirken oft etwas hors-sol. Wohl auch, weil Stadtflüchtlinge und Expats wenig Wert auf ein dörfliches Miteinander legen. Trotzdem funktioniert das Gemeindeleben erstaunlich gut. Das zeigen auch die letzten Gemeinderatswahlen, wo die Anzahl Kandidatinnen und Kandidaten nur an wenigen Orten gerade mal der Anzahl zu besetzender Sitze entsprach. Man setzt sich ein, kümmert sich umeinander – und belässt es bei diesem Blick nach innen. Das ist im Übrigen auch auf Kantonsstufe zu beobachten, wo die Sorge, in irgendeinem Bereich die volle Hoheit und damit Pfründe zu verlieren, bikantonale Lösungen erschwert.

Der FCB als Vorbild

All das ist nicht weiter schlimm. Bloss unnötig. Es bräuchte nicht viel, um Vorurteile zu überwinden. Bloss die Einsicht, dass man in diesem gemeinsamen Lebens- und Wirtschaftsraum aufeinander angewiesen ist. Den FCB tragen Städter und Landschäftler schliesslich auch zusammen von Erfolg zu Erfolg.

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