Liebe Sparfreunde!

Natürlich sollte ich bei meiner Arbeit als Lehrerin nicht dauernd aus dem Fenster schauen. Trotzdem wage ich zwischendurch gerne einen Blick über meine Nasenspitze hinaus in die Welt ausserhalb des Schulzimmers. Diese minimale Möglichkeit der Horizonterweiterung wünsche ich mir natürlich auch für meine Schülerinnen und Schüler.

Leider sehen wir alle aber dank der genialen Sparmassnahme, die Fenster in kantonalen Gebäuden nur noch alle zwei Jahre reinigen zu lassen, statt der Aussenwelt vor allem noch (Vogel-) Scheisse, Verkalkungserscheinungen, Fettflecken etc.. Wegen des dadurch verursachten verringerten Lichteinfalls arbeiten wir nun durchgehend mit elektrischem Licht. Daher befürchte ich, dass dem Kanton auf diesem Weg erhebliche Strom-Mehrkosten entstehen werden, wenn natürlich auch sicher in einem anderen Departement.

Auch werden meine Schülerinnen und Schüler wegen des Mangels an natürlichem Licht sowie des Gefühls, dem Kanton nicht den Einmal-pro-Jahr-die-Fenster-reinigen-lassen-Tarif wert zu sein, allmählich depressiv – und auch etwas beschränkt in ihrer Weltsicht. Falls dies nicht ein politisches Ziel ist, möchte ich mich nun gerne an Sie wenden, um mich beraten zu lassen: Soll ich Schülerinnen und Schüler, die nachsitzen müssen, vom NachSITZEN befreien und sie statt dessen Fassaden-NachKLETTEREI mit Putzeinsatz machen lassen? Oder brauche ich dafür analog zum Rettungsschwimmerbrevet für Schwimmen in fliessenden Gewässern zuerst das Fassadenkletter- und Fensterreinigen-Brevet?

Oder soll ich allen Jugendlichen einen Gutschein für ein paar Sessionen beim Schulpsychologischen Dienst ausstellen, zur Bekämpfung des Mangel-an-natürlichem-Licht-im Schulzimmer-Syndroms? Gerne würde ich natürlich auch selbst auf die Fassade klettern und die Fenster von aussen reinigen, aber leider erteile ich ja schon seit einer Weile für den gleichen Lohn eine Lektion mehr, mit der regierungsrätlichen Auflage, meine Gesamtarbeitszeit nicht zu erhöhen. Soll ich also eine entsprechende Rechnung an den Kanton schicken für die geleisteten Fassaden-Kletterei-Putzeinsätze? Bei dieser Lösung befürchte ich aber, dass meine Lohnkosten die eingesparten Kosten des üblichen Putzpersonals möglicherweise übersteigen. Zudem habe ich leider Höhenangst und bin motorisch nicht überdurchschnittlich geschickt, und wenn meine sterblichen Überreste vom Schulhausplatz weggekratzt werden müssen, entstehen dadurch auch gewisse Mehrkosten – zusätzlich natürlich zu den Waisen- und Witwerrenten, welche an meine Familie gezahlt werden müssen. Auch können Folgekosten für die psychologische Betreuung der mit meinem Absturz konfrontierten Menschen nicht ganz ausgeschlossen werden.

Sie sehen – ich brauche dringend Ihren weisen Ratschlag, da ich selber mit dieser Frage total überfordert bin. Ich bin aber zuversichtlich, dass Sie eine allgemein befriedigende und natürlich kostenneutrale Lösung finden werden.

Mit freundlichen Grüssen,
eine zur Zeit ratlose Lehrerin