Cabb

Nichts gelernt oder schon vergessen?

Das Bild stammt vom Unfall vom September 2010: Damals wurden 3000 Liter Chloracetylchlorid freigesetzt – der Säurenebel ist gut erkennbar. Archiv/Polizei BL

Das Bild stammt vom Unfall vom September 2010: Damals wurden 3000 Liter Chloracetylchlorid freigesetzt – der Säurenebel ist gut erkennbar. Archiv/Polizei BL

David Siebers Kommentar über die hohe Unfallrate der Cabb.

Schweizerhalle. Dieser Name steht seit 30 Jahren und ein paar Tagen für das grösste Unglück der Schweizer Industriegeschichte. Für ein traumatisches Erlebnis Tausender Menschen, welche sich während Stunden in Lebensgefahr wähnten. Für die Ohnmacht der Behörden und die Gleichgültigkeit der Manager. Für Beschwichtigung und Desinformation. Kurz, Schweizerhalle ist bis heute das Synonym für ein totales Systemversagen auf allen Ebenen.

Seither ist viel geschehen. Die Vorschriften wurden verschärft, die Notfallkonzepte angepasst und die Pharmaindustrie verlegte potenziell heikle Produktionsanlagen in andere Länder oder verkaufte die entsprechenden Firmen. So wie die heutige Cabb, die einst Säurefabrik Schweizerhall hiess und als Zulieferbetrieb von der Basler Chemie gegründet wurde. Seit 2004 hat sie mehrmals die Hand gewechselt, was der Unternehmenskultur offensichtlich nicht gutgetan hat. Zwar wird kräftig investiert. Eine neue Produktionsanlage wurde erstellt.

Doch die Unfallrate ist immer noch hoch. Viel zu hoch. Wie kann es sein, dass immer wieder hochgefährliches Chlorgas austritt und keine Besserung eintritt? Wie kann es sein, dass die Behörden reflexartig Untersuchungen ankündigen, die praktisch ausnahmslos zum Schluss kommen, für Mensch und Umwelt habe keine Gefahr bestanden?

Eines hat Schweizerhalle bewirkt: ein tiefes Misstrauen gegenüber der Chemischen und den Behörden. Hoffentlich zu Unrecht.

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