Beim interkantonalen Bildungsvergleich, der kürzlich präsentiert wurde, stellen Baselland und Basel-Stadt die Schlusslichter. Aber auch das Resultat der anderen getesteten Kantone zeigt ein beunruhigendes Bild. Grundkompetenzen wie Deutsch, Mathematik oder der Umgang mit Fremdsprachen werden von einer Mehrheit der SchülerInnen dermassen ungenügend beherrscht, dass deren beruflicher Werdegang infrage gestellt ist. Nun soll von den Bildungsdirektionen herausgefunden werden, warum es so weit kommen konnte und welche Verbesserungsmassnahmen zu ergreifen sind. Die Debatte um die Mehrsprachendidaktik mit dem Namen «Passepartout» liefert ein anschauliches Beispiel für diese Problematik.

Grundsätzlich erwarten Eltern und Steuerzahler, dass alle Kinder die bestmögliche Schule geboten bekommen. Und gewiss ist auch, dass sich die Lehrerschaft bemüht, eine solche Erwartung zu erfüllen. Dass die so gesetzten Ziele nur teilweise oder sogar überhaupt nicht erreicht werden, hat mehrere Gründe. So gibt es zum Beispiel eine für die Schule ungünstige Entwicklung der Gesamtgesellschaft, die schwierig zu fassen ist.

Anders verhält es sich mit den Institutionen des Bildungsbereichs. Schulen, Erziehungsdirektionen und Pädagogische Hochschulen (PH) bestimmen, wie Unterricht auszusehen hat. In den vergangenen drei Jahrzehnten haben dabei die PH die Führung übernommen. Sie befassen sich mit Aus- und Weiterbildung der Unterrichtenden, Schulorganisation, Lehrplangestaltung, Unterrichtsmethoden oder Lehrmitteln. Die Erziehungsdirektionen übernehmen deren Vorgaben und lassen sie durch die Schulen umsetzen.

In genau dieser Form wurden der Lehrplan 21, die geleitete Schule, das selbst organisierte Lernen und eben Passepartout geplant und eingeführt. Sämtliche dieser Vorhaben, wie auch alle anderen in den letzten Jahren erfolgten Schulreformen, wurden fast ausschliesslich von PH-Mitarbeitenden bewerkstelligt, oft gegen den Widerstand von Lehrer- und Elternschaft.

Sieht man nun die Resultate dieser Massnahmen, so ergibt sich das oben erwähnte traurige Bild: Ein schwerwiegender Abfall des Leistungsniveaus auf allen Schulstufen, frustrierte Lehrer – nicht von ungefähr herrscht inzwischen akuter Rekrutierungsmangel – und unzufriedene Eltern. Die Verantwortlichen des Desasters, einst strahlende Herolde einer goldenen pädagogischen Ära, hüllen sich mehrheitlich in Schweigen. Einige Unentwegte beklagen das dumpfe Unverständnis der heutigen Eltern und fordern Gefolgschaft sowie auch weitere Mittel zur «Anpassung» ihrer Konzepte. So wie einst Stalin noch mehr Opfer zur Heranbildung des neuen Sowjetmenschen verlangte.

So weit wird es nun glücklicherweise nicht kommen. Im Fall Passepartout hat der jahrelange Kampf der Betroffenen zur einzig richtigen Konsequenz geführt: Das millionenteure Konzept landet endlich auf dem – bereits gewaltigen – Müllhaufen untauglicher Didaktikfantasien. Die dazu erfolgte Aussage der Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig.

Allerdings ist «Passepartout» nur ein kleiner Schauplatz des von den PH aufgeführten Trauerspiels. Will man eine Verbesserung der heutigen Situation erreichen, so sind sämtliche Facetten dieser Institutionen einer kritischen Betrachtung zu unterziehen. Ganz sicher muss die Verschleuderung von Steuergeldern zum Aufblasen von PH-Strukturen ein Ende finden. Die Finanzen im Bildungsbereich sollen vornehmlich den Schulen zukommen. Diese und die sie tragenden Lehrpersonen müssen wieder ins Zentrum eines Bildungsvertrags zwischen Bevölkerung und Regierung gerückt werden. Dabei ist auf folgende Punkte zu achten: Die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer sollen wieder in den Genuss einer soliden Fachausbildung kommen, ab Sekundarstufe I durch die Universität. Die didaktischen Kompetenzen sollen durch erfahrene Lehrpersonen vermittelt werden und nicht durch praxisfremde Theoretiker. Der Stoff soll aufbauend und systematisch durch klassenführende Lehrpersonen beigebracht werden. Die Schülerinnen und Schüler entwickeln sich im Klassenverband dank der kontinuierlichen Auseinandersetzung mit der Lehrperson. Diese wirkt nicht als technische Beratung von individuell organisierten Schülerinnen und Schülern, sondern als prägendes Vorbild.