Ein ehemaliger Grossratspräsident twitterte: «Angesichts der nahenden Kälte und des Dauerregens mal eine Frage: Gibts diese Klimaerwärmungs-Demos eigentlich noch oder sind die angesichts der Wetterrealität eingestellt worden?» Meine Antwort: «Wir können gerne über die Klimaerwärmung diskutieren, aber nicht mit diesem ewig gleichen Verwechslungsfehler von Wetter und Klima. Unter ‹Dauerregen› stelle ich mir ausserdem noch was anderes vor als ab und zu mal einen halben Tag mit einigen Tropfen.» Sein Kommentar: «Bin bei Ihnen. Wetter und Klima wird gerne verwechselt. Meistens von den Klimahysterikern.»

Hallo? Hat er mich gerade als Hysteriker bezeichnet? In der Medizin gilt der Begriff als veraltet. Hysterie ist etymologisch mit der Gebärmutter verbunden. Nun, eine Gebärmutter kam in der jüngsten Untersuchung nicht zum Vorschein bei mir. Ich hoffe allerdings, dass es mir als durchaus heterogen orientiertem Mann im Laufe der Jahrzehnte gelungen ist, auch etwas von meiner weiblichen Seite zu integrieren. Egal: In dubio pro reo, sagt der humanistisch Gebildete (oder in meinem Fall: der Asterix-Leser).

Der Twitterer meinte wohl nicht mich. Aber andere. Nun finde ich solche Beschimpfungen nicht hilfreich und eh furchtbar billig. Ich beschimpfe Andersdenkende auch nicht als Auto-Anbeter oder Flugi-Fetischisten. Eine politische Gruppierung würde ich nie als Pol-Pot-Partei bezeichnen, nur weil sie wieder mal eine Säuberung hinter sich hat. Befürworter des Ozeaniums sind nicht Quallen-Quäler und Gegner nicht alle hetzende Spassbremsen.

Ist doch blöde. Es sind alles Menschen, mit begrenzten Einsichten. Die Mehrheit mit dem Willen, respektvoll zu leben und anderen, auch Tieren, ein würdiges Leben zu ermöglichen. Darum: Wenn schon beschimpfen, dann bitte origineller. Kapitän Haddock aus «Tim und Struppi» hat da pionierhafte Vorarbeit geleistet. «Süsswassermatrosen!» «Sie Logarithmus!» «Ihr Anachronismen!» – und noch vieles mehr. Oft geht er im Suff zu weit und zielt viel zu tief. Aber im Grunde seines Wesens hat er ein weiches Herz und muss sich mit einer rauen Schale schützen. Manche würden heute verächtlich sagen: «Eine Schneeflocke» oder «ein Gränni».
Das sind die Menschen, mit denen niemand einen gemütlichen Abend verbringen möchte. Vielleicht müssen sie deshalb andere immer runtermachen.

Ganz abgesehen vom Insult Commander in Chief und denen, die ihren Hass ungefiltert verbreiten wie toxischen Feinstaub. Gerne auch unter dem Motto: Ich sage nur, was niemand sich traut wegen der Political Correctness. So. Ein. Quatsch. Ja, es gibt Übertreibungen von sprachlicher Korrektheit. Die werden dann tausendfach als «typisch» angeprangert, um zu zeigen, wie dumm doch alle sind, die sich um Fairness und Respekt für andere bemühen. Da kämpfe ich wie Don Quixote gegen Windmühlen, ich weiss. Wenn Sie mir etwas Gutes tun wollen, dann schicken Sie mir doch bitte einige originelle Beschimpfungen, die Sie selbst erfunden haben.