Die Welt ist es sich gewohnt, sich von Skandalen und Katastrophen die Agenda diktieren zu lassen. Die Konsequenzen, nach denen dann gerufen wird, sind allerdings geprägt von dieser unmittelbaren gesellschaftlichen Erregung. Sie sind häufig mehr Schein- als echte Lösungen.

Wäre es ein Skandal, dass ein alter Mann, der um Atem ringt, vom Basler Unispital abgewiesen und in ein Taxi gesetzt wird, wären die politischen Forderungen schon morgen auf dem Tisch: Es brauche mehr Spitalbetten im Stadtkanton. Nun meint aber selbst der betroffene Patient, es sei keine Affäre, sich mit der zweitbesten Lösung arrangieren zu müssen. Damit könnte die Sache abgehakt werden, oder es lassen sich unaufgeregt wichtige Fragen stellen, wie wir uns das Gesundheitswesen vorstellen.

Welche Anspruchshaltungen haben wir? Sind wir bereit, Abstriche in Kauf zu nehmen? Vertrauen wir den Ärzten, die uns in ein Taxi setzen, oder fordern wir nicht einen professionellen Krankentransport, der ein Mehrfaches kosten würde? Sind wir beruhigt, dass wir mit den hohen Gesundheitskosten keine Bettenreserven finanzieren, oder doch besorgt, dass eine kleine Hitze- oder Grippenperiode die Spitäler überfordert?

Wenn wir uns jetzt – mithilfe des Seniors – unaufgeregt unsere Gedanken machen, wird uns dies helfen, wenn uns der nächste Skandal wieder aufschreckt.