Die Basler Fasnacht ist zu Ende, eine Diskussion wird uns weiter auf Trab halten: Jene, die sich um Sinn und Unsinn der Chaisen dreht, der Pferdekutschen am Cortège. Das Fahrzeug an sich stellt niemand infrage: Es ist charmant. Aber über seinen Antrieb sollten wir nachdenken.

Spätestens nach den zwei Unfällen an dieser Fasnacht: Pferde rutschten aus, fielen um, lagen minutenlang auf dem Boden, ehe sie wieder auf die Beine gebracht werden konnten.

Wer sowas mitverfolgt – im Internet kursieren Videos –, leidet mit. Völlig egal, ob man sich zu den Tierschützern zählt oder nicht, völlig egal, ob eine rutschige Bodenplatte die Ursache war oder nicht: Man fragt sich, ob es noch zumutbar ist, die anmutigen Tiere dem ganzen Cortège-Scheiaweia auszusetzen.

«Pferde gehören zur Fasnachts-Tradition» ist ein Totschlagargument, das voreilig bemüht wird. Vor 120 Jahren zierten Pferdekutschen als alltägliches Transportmittel das Strassenbild. Damals war aber auch der Cortège kleiner, die Trommeln gedämpfter, die Guggenmusiken leiser, die Fasnacht härziger. Man erkennt es auf alten Fotos: Kein Vergleich mit der Druggede von heute. Man darf eine Tradition alle 120 Jahre mal hinterfragen.

Zwar will man die Pferde schützen und beruhigen, mit Scheuklappen, Ohrpfropfen, medizinischer Begleitung. Aber vielleicht sollte man die eigenen Scheuklappen ablegen und statt die Pferde sich selber dem Stress aussetzen: mit der unangenehmen Frage, ob nicht viel mehr dagegen spricht als dafür.

Wären die Rösser auf der Weide nicht glücklicher als im Rummel? Könnte eine Chaise nicht auch von einem Rasenmäher, Traktörli oder meinetwegen von E-Bikes gezogen werden? Rösser am Cortège, das hatte lange Zeit seine Berechtigung. Die Zeiten aber ändern sich.