Fünf-Sterne-Bschiss

Plattformen sind pseudo-freundlich

Das ehemalige «Ramada» heisst seit 2017 «Hyperion».

Das ehemalige «Ramada» heisst seit 2017 «Hyperion».

Das Versprechen einer Buchungs- und Vergleichsplattform wie booking.com lautet: Wir helfen Ihnen, das beste Hotel zum günstigsten Preis zu finden. Damit wird besondere Kundenfreundlichkeit suggeriert, denn helfen heisst, dass die Plattform zu den Guten gehört. Nur ihr ist es zu verdanken, dass die Hotels ihre Gäste nicht mit schlechteren Services zu höheren Preisen abzocken.

Doch das ist, gelinde gesagt, lediglich die eine Seite der Medaille, wie das Beispiel des falschen fünften Sterns des Hotels «Hyperion» zeigt. Denn Vergleichsportale sind internationale, renditegetriebene Grossfirmen.

Im Falle von booking.com hat deren Besitzerin, eine börsenkotierte Holding mit Sitz in den USA, 2017 einen Nettogewinn von 2,7 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet. So viel Geld verdient man nicht mit zufriedenen Kunden, sondern damit, dass man zuoberst in der Liste Hotels anzeigt, die möglichst viel von ihrem Umsatz abliefern. Die Plattform verdient demnach vor allem dann, wenn es ihr gelingt, den Nutzern ein teureres Hotel anzudrehen, das einen möglichst grossen Teil des Aufpreises wieder der Plattform abliefert.

Was es also braucht, sind gemeinnützige, nicht kommerzielle Vergleichsdienste, die transparent über ihre Funktionsweise informieren. Doch solche Dienste kosten Geld, und solange niemand bereits ist, für eine entsprechende Dienstleistung direkt zu bezahlen, wird weiterhin indirekt abkassiert. Denn auch bei Vergleichsdiensten bewahrheitet sich die goldene Regel, dass bei allem, was gratis ist, der Kunde nicht Kunde, sondern das Produkt ist.

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