Nach einem kurzen politischen Vorbeben des baselstädtischen Wahlkampfs tauchten die Parteien diese Woche erst einmal ab in die langen Sommerferien. Und bei ihrer Rückkehr Mitte August beginnt bereits der Endspurt im Rennen um die Plätze im Rathaus – mit einem gemütlichen Unterbruch durch die Herbstferien. Die breite Öffentlichkeit hat der Wahlkampf noch nicht erreicht. Und das ist kaum erstaunlich. Denn was am 23. Oktober auf dem Spiel steht, bleibt rätselhaft. Ein lustiges Online-Quiz der Sozialdemokraten bekennt sich zu einem überzeugten «weiter so». Dabei dominiert – taktisch nachvollziehbar – der Blick zurück, auf das Erreichte. Was aber die bürgerliche Alternative ändern würde, ist unklar.

Die einzige Ausnahme bildet die Verkehrspolitik. Links-grün plädiert für weitere Verkehrsberuhigung, Vorfahrt für Velos, Vortritt für «zu Fuss Gehende» und mehr öffentlichen Verkehr. Bürgerliche setzen sich für mehr Parkplätze, mehr motorisierte Vehikel und eine flexiblere Regulierung der autofreien Innenstadt ein. Doch ist das unser einziges Problem?

Wo sind die genialen Konzepte für alle anderen brennenden Fragen: Zum Beispiel die Zusammenarbeit mit Baselland. Oder die Finanzierung der Kulturpolitik und der Universität. Die Strategie in Steuer-, Investitions- und Wirtschaftsfragen. Oder gar Visionen für die längerfristige Zukunft Basels. Die Herausforderungen heissen Dreispitz, Wolf, Klybeck, Hafen. Die Lösungen reichen vom vagen «Basel machts besser» (links-grün) bis zum blassen «mehr Basel» – ein Slogan, den ironischerweise sowohl links-grün als auch der Freisinn für sich reklamieren.

Wo ist der grosse Wurf, der uns ins 21. Jahrhundert katapultiert? Wer präsentiert zündende Ideen und originelle Antworten des reichen Basel auf Zeitfragen wie Klimaerwärmung, Flüchtlinge, Europa?

Selbst für unsere wirtschaftliche Kernkompetenz, dem Gesundheitswesen, fehlen die klaren Perspektiven. Zehntausende arbeiten in Basel in dieser Branche. Davon ist im Wahlkampf (bisher) nichts zu spüren.

Ein Wahlkampf, der nur Machtkampf ist, langweilt. Vom Herbst erwarte ich Diskussionen um substanzielle Vorschläge, die Wahlsieger umzusetzen gedenken. Ich möchte die Einhaltung von Programmen prüfen können. Wenn es keine messbaren Versprechen gibt, gerät das Gerangel um Sitze und Stimmenprozente zu einer Sportveranstaltung. Haben wir dafür nicht das «Joggeli»?

So lange Fussball mehr Menschen interessiert als Politik, macht es Basel keinesfalls besser. Denn Fussball mag für viele das halbe Leben sein. Die Folgen der Wahlen jedoch, betreffen und treffen uns alle. Oder kommt es am Ende gar nicht darauf an, wer gewinnt? Von den Parteien dürfen wir erwarten, eine grosse Mehrheit davon zu überzeugen, dass es doch einen grösseren Unterschied macht, am 23. Oktober an die Urne zu gehen als gen St. Jakob zu pilgern.

Dies ist eine Herkules-Aufgabe. Und braucht eben – Ideen für Basel.